EZB bleibt beim Zins – vorerst Stillstand trotz globaler Unsicherheiten

Die Europäische Zentralbank hält an ihrer Zinspause fest und belässt den Leitzins weiterhin bei 2,0 Prozent.

heute 14:38 Uhr | 4 mal gelesen

Donnerstagmorgen in Frankfurt: Die Entscheidung der EZB, die Zinsen unangetastet zu lassen, klingt erst einmal wenig spektakulär. Doch wenn man genauer hinschaut, spiegelt sich darin ein Balanceakt wider, den der EZB-Rat beachtlich souverän meistert – oder wenigstens nicht allzu mutlos. Die wichtigsten Zinssätze bleiben also: Die Einlagefazilität weiterhin bei 2,00 Prozent, die Hauptrefinanzierungsgeschäfte bei 2,15 Prozent und die Spitzenrefinanzierungsfazilität bei 2,40 Prozent. Laut Einschätzung des Rates pendelt sich die Inflation – das ist das ewige Ziel – mittelfristig ungefähr bei zwei Prozent ein. Was Hoffnung macht: Die Wirtschaft hält, trotz mancher internationaler Schwelbrände, die Stellung. Arbeitslosenquoten so tief wie lange nicht, überraschend stabile Privatbilanzen und – zumindest auf dem Papier – ehrgeizige Pläne der Politik für Investitionen etwa in Infrastruktur oder Verteidigung. Und dann ist da noch der Nachhall der letzten Zinssenkungen, der laut Rat immer noch stützend wirkt. Trotzdem: Von Aufbruchstimmung keine Spur. Die andauernden Unsicherheiten auf den Weltmärkten und geopolitische Spannungen tauchen wie Wolken am Horizont auf. „Wir bleiben wachsam und treffen unsere nächsten Entscheidungen auf Basis der Lage, nicht nach Fahrplan“, so das Fazit – eine flexible, aber nicht gerade kühne Vorgehensweise. Ziemlich viel zwischen den Zeilen, oder auch: Was nicht ausgeschlossen wird, bleibt möglich.

Die EZB zögert weiterhin mit Zinserhöhungen oder -senkungen und hält an ihrer aktuellen Geldpolitik fest. Die Notenbank begründet dies einerseits mit einer robusten europäischen Wirtschaft, niedriger Arbeitslosigkeit und der Hoffnung auf eine mittelfristige Stabilisierung der Inflation. International bleibt das Umfeld jedoch angespannt: Handelskonflikte, geopolitische Krisenherde wie etwa der Ukraine-Krieg und anhaltende Lieferkettenprobleme setzen die Entscheidungsträger weiter unter Druck. In aktuellen Berichten großer Medien wird außerdem diskutiert, wie schwierig die Gratwanderung zwischen Inflationseindämmung und Konjunkturförderung derzeit ist. Kritiker fürchten, dass die EZB zu zögerlich agiert, wobei Verantwortliche auf die Unsicherheit und zahlreiche Unwägbarkeiten verweisen. Neuste Einschätzungen unterstreichen, dass die EZB sich nicht auf einen festen Zinsfahrplan festlegt und flexible, datengesteuerte Beschlüsse als Option bevorzugt.

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