Neue Wege fürs Gebäudemodernisierungsgesetz: Verbände fordern flexible Ansätze

Berlin – Ein Bündnis der wichtigsten Akteure aus den Bereichen erneuerbare Energietechnik, Gebäudehülle und Energieberatung hat der deutschen Politik ein neues Gutachten überreicht. Es empfiehlt innovative und variable Lösungen für das geplante Gebäudemodernisierungsgesetz, um Klimaziele voranzubringen, Energiekosten zu senken und die Abhängigkeit von Importen fossiler Brennstoffe zu vermindern.

heute 16:00 Uhr | 3 mal gelesen

Das neue Gutachten sorgte, als es auf den Tischen der Regierungskoalition landete, durchaus für Bewegung in der Debatte: Prof. Dr.-Ing. Bert Oschatz (ITG Dresden) hielt fest, dass aktuelle Gesetzesmaßnahmen zur Gebäudesanierung zu einer enormen CO2-Einsparung zwischen 50 und 90 Prozent führen könnten – vorausgesetzt, man setze wirklich auf fortschrittliche Technik. Die bloße Modernisierung alter Gasheizungen würde nach wie vor nur wenig zum Ziel beitragen, auch dann nicht, wenn man kleinere Anteile von Biomethan einrechnet. Auffällig ist: Die Experten machen klar, dass Energiewende im Haus nicht entweder aus besserer Hülle oder moderner Heiztechnik besteht – sie fordern das Sowohl-als-auch. Prof. Andreas Holm (FIW München) erläuterte, dass verbesserte Gebäudedämmung den Energieverbrauch und ebenso die Betriebskosten deutlich drückt; im Winter spare man so nicht nur Geld, sondern stabilisiere auch das Stromnetz, weil Lastspitzen abgefedert würden. Im Schlagabtausch der Argumente warnt Dr. Martin Sabel (BWP): Die Menschen sollen sich nicht von „Wunderlösungen“ im Bereich Gasheizung blenden lassen. Verlässlichkeit und Zukunftsfähigkeit – das sollte für Verbraucher zählen, wenn sie sanieren. Und es wird noch persönlicher: Jan Peter Hinrichs vom Gebäudehüllenverband legt Wert auf individuelle Lösungen – kein Haus ist in seinem energetischen Zustand wie das andere. Die Eigentümer vor Ort sollten das letzte Wort haben – mit professioneller Beratung an der Seite. Benjamin Weismann (GIH) sieht im gemeinsamen Auftritt der verschiedenen Verbände ein Zeichen – und fordert ausdrücklich, energetische Sanierungen an der Gebäudehülle auch gesetzlich gleichzustellen, denn oft ist gerade bei steigenden Energiepreisen der Wunsch nach Einsparung bei den Menschen ein gewichtiges Motiv. Abschließend lohnt ein Blick auf die Rolle der Verbände selbst: Der Bundesverband Wärmepumpe versammelt die wichtigsten Beteiligten rund um die Wärmepumpentechnologie und setzt sich für deren Verbreitung ein, BuVEG kämpft für die Wertschätzung (und Förderung) effizienter Gebäudehüllen, und der GIH-Bundesverband ist mit Energieberatern aus verschiedenen Disziplinen deutschlandweit eine zentrale Schnittstelle zwischen Gesetz, Technik und Praxis.

Das von mehreren Branchenverbänden in Auftrag gegebene Gutachten plädiert für ein modernisiertes Gebäudemodernisierungsgesetz, das sich durch Offenheit für unterschiedlichste technische Lösungen und individuelle Herangehensweisen bei der Sanierung auszeichnet. Die Studienautoren unterstreichen, dass kluge Kombinationen aus erneuerbaren Energien und verbesserter Gebäudedämmung essenziell sind: Nicht die Technik allein, sondern das clevere Miteinander entscheidet über Energieeinsparungen, CO2-Reduktion und Netzstabilität. Im Zentrum der Empfehlungen steht das Prinzip, Eigentümer vor Ort nicht zu überfordern, sondern ihnen gezielte Hilfe zu geben– auch um soziale Akzeptanz für die Wärmewende zu sichern. Aktuell zeigen Medienberichte, dass die Debatten um die Zukunft des Heizens und die Rolle des Gebäudesektors für die deutschen Klimaziele an Intensität zunehmen. Laut "Süddeutscher Zeitung" fordern Umweltverbände und Fachleute mehr Tempo und Kohärenz bei der Umsetzung der energetischen Sanierung – zu viele bürokratische Hürden und unklare Zuständigkeiten verlangsamen die Fortschritte (Stand: 10.06.2024). Die "Zeit" berichtet von Unsicherheiten bei Hausbesitzern, die von ständig wechselnden gesetzlichen Vorgaben und Förderbedingungen verunsichert werden und sich mehr transparente, langfristige Lösungen wünschen (10.06.2024). "Spiegel Online" stellt in einer ausführlichen Analyse dar, dass Wärmepumpen allein nicht der "Königsweg" sein können, sondern nur im Verbund mit Sanierungsmaßnahmen und einer intelligenten Steuerung des Stromnetzes tatsächlich klimawirksam sind (11.06.2024).

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