Vom Aufstieg zum Absturz: Die Geschichte des „Windkraft-Schwindlers“ Holt

Blitzlicht, Applaus – und der tiefe Fall: Hendrik Richard Holt galt als das Gesicht der Energiewende, bevor sein Imperium als riesiger Betrug entlarvt wurde. Ab dem 27. März in der ARD Mediathek und später im Ersten zeigt ein neuer 90-Minuten-Dokumentarfilm von Jan Peter und Sandra Naumann, wie Hoffnung umschlagen kann in Gier und Täuschung.

heute 17:36 Uhr | 3 mal gelesen

Eigentlich klingt es nach einer typischen deutschen Erfolgsgeschichte – ein junger Mann aus dem ländlichen Haselünne, Hendrik Richard Holt, gründet eine Windkraft-Firma, die Hoffnung auf nachhaltige Energie verkörpert. Doch je größer der Applaus wurde, desto tiefer bohrte sich der Betrug in das Geflecht aus Familienunternehmen, politischen Verbindungen und dem unbändigen Drang, Milliardär zu werden. Die Doku von Jan Peter und Sandra Naumann – und eigentlich spürt man das schon im ersten Takt – rollt diesen unglaublichen Aufstieg genauso minutiös auf wie den tieferen Fall: Da wird an PCs getrickst, es werden Faxe gefälscht, Dokumente fabriziert, die Unterschriften längst unter der echten Sonne fehlen. Was Investor:innen und große Energieunternehmen an Windkraft-Pioniergeist zu erkennen glaubten, entpuppte sich als perfides Lügenkonstrukt. Eine kleine Beamtin bringt – manchmal spielt das Leben mitten im Behördenflur – den Stein ins Rollen, die Staatsanwaltschaft klebt sich akribisch an jedes Blatt, jede Zeile und lässt nicht locker, bis Holt schließlich spektakulär im Berliner Hotel Adlon festgenommen wird. 2022 erfolgt die Verurteilung, der offene Vollzug beginnt. Die Filmemacher:innen schwenken nah auf das, was so oft das Unsichtbare hinter Betrug bleibt: Glaube, Familie, das eigene Schaufenster für die Welt – und die Frage, warum selbst redliche Menschen beim großen Traum die Augen verschließen. Vielleicht ist es eine Geschichte über unsere Zeit, über den Sog des schnellen Erfolgs und die Versuchung, selbst bei offensichtlich schlechten Vorzeichen noch an die goldene Zukunft glauben zu wollen. Mehr als ein Wirtschaftskrimi: Ein Blick in die Mechanik von Verdrängung, Gruppendynamik und schlussendlich dem bitteren Erwachen. Warum haben alle mitgemacht? Diese Frage stellt die Doku laut, vielstimmig, manchmal auch mit unangenehmer Ehrlichkeit – und lässt selbst Holt und sein engstes Umfeld ausführlich zu Wort kommen. Die Produktion ist das Ergebnis einer engen SWR-, HR- und NDR-Kooperation und setzt mit Bildsprache und Tempo – wie schon bei „Lubi“ – ganz auf die Vielschichtigkeit der Figuren. Ab Ende März 2026 in der ARD Mediathek.

Der Dokumentarfilm „Holt – Der Windkraft-Schwindler“ porträtiert das Leben und Wirken von Hendrik Richard Holt, der einst als leuchtendes Vorbild der neuen Energiewirtschaft gefeiert wurde und krachend stürzte: Nach systematischem Betrug mit gefälschten Genehmigungen und millionenschweren Scheinprojekten verurteilte ihn ein Gericht zu mehrjähriger Haft; auch Familienmitglieder fielen mit. Die Filmemacher zeigen, wie seine Selbstinszenierung und engmaschige Verbindungen in Politik und Wirtschaft den Betrug begünstigten, aber auch welche systemischen Schwächen ein solches Treiben ermöglich(t)en. Aktuelle Recherchen zeigen, wie der Fall Holt das Vertrauen in die Branche erschütterte und Diskussionen über Kontrollen, politische Nähe und gesellschaftliche Leichtgläubigkeit neu entfachte; zahlreiche Medien analysierten jüngst, wie Energieprojekte in Deutschland nach wie vor von Intransparenz und Interessenkonflikten bedroht sind und unterstreichen den enormen Bedarf für stärkere Kontrolle und unabhängige Prüfmechanismen. Parallel stehen Windkraft-Projekte weiter stark in der öffentlichen Kritik, auch vor dem Hintergrund von Falschinformationen und Schwierigkeiten bei der Akzeptanz neuer Anlagen. Der juristische Nachhall ist noch nicht beendet, und Branchenexpert:innen sehen den Fall als mahnendes Beispiel für die Notwendigkeit, wirtschaftliche und ökologische Ziele nicht voreilig zu vermengen.

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