Kretschmann blickt erleichtert seinem Abschied entgegen

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) sieht dem Ende seiner politischen Karriere mit einer Mischung aus Erleichterung und Nachdenklichkeit entgegen.

heute 13:33 Uhr | 4 mal gelesen

„Ich bin echt froh, bald aufzuhören“, gestand Winfried Kretschmann, kaum verhalten ehrlich, gegenüber 'Die Zeit'. Nach so vielen Jahren im Amt empfinde der 77-Jährige seine Aufgabe auch zunehmend als Last: Zu wenig Schlaf, zu viel Grübelei. Ein bisschen Unruhe, ein bisschen Ärger am Tag – und prompt ist die Nacht dahin. Er sagt: Schon ein kleines Problem könne sich urplötzlich zu etwas Größerem auswachsen. Seit 2011 steht er an der Spitze Baden-Württembergs, aber bei der Landtagswahl 2026 packt er die politische Koffer. Rückblickend kann Kretschmann kaum fassen, wie sehr sich das weltpolitische Klima verändert hat: „Die Demokratie steht heute ganz anders im Wind, als ich je erwartet hätte.“ Nationalismus sei für ihn das gefährlichste Gift, das unsere Zeit zu bieten habe. Anderer Punkt: Kretschmann hält einen Krieg in Deutschland nicht für abwegig. Er findet: "Man sollte diese reale Gefahr einkalkulieren. Abschreckung funktioniert nur, wenn man sich ihr stellt." Besonders wenn Russland in der Ukraine Erfolg hat – dann, so fürchtet er, bleibt es nicht dabei. Eigenartig: Obwohl er das Risiko sieht, hat er privat bisher keine Krisenvorsorge getroffen - aber vielleicht, sinniert der Ministerpräsident, sollte er das noch tun. Und ein kleiner Seitenhieb am Ende: Söder – Kanzler? Kretschmann winkt ab. Mit zu viel bajuwarischem Brauchtum und Lederhose kommt man, so meint er, nicht auf den Chefsessel im Kanzleramt.

Winfried Kretschmann, seit über einem Jahrzehnt Ministerpräsident von Baden-Württemberg, spricht offen über sein bevorstehendes Karriereende, seinen aufrichtigen Wunsch nach Entlastung und seine Sorgen um die politische Lage in der Welt. Besonders prekär findet er die Verschlechterung der Demokratie und warnt eindringlich vor dem Anstieg des Nationalismus, der für ihn der größte Unsicherheitsfaktor heutzutage ist. Kretschmanns Ängste vor einem künftigen Krieg in Deutschland spiegeln die zunehmende Unsicherheit vieler deutscher Politiker wider, vor allem im Hinblick auf Russlands Vorgehen in der Ukraine oder die Umgangsformen anderer autoritärer Staaten. Während Kretschmann seine Nachfolge offen lässt, gibt es andernorts Diskussionen um die politische Zukunft und mögliche Kanzlerambitionen, die er bei Markus Söder spöttisch abtut. Neueste Berichte aus anderen Medien bestätigen die wachsende Nervosität in der deutschen Regierung; destabilisierte Demokratien in Frankreich und anderen Teilen Europas verstärken diese Sorge. Ergänzung zur aktuellen Nachrichtenlage: In mehreren Zeitungsartikeln der letzten beiden Tage wird aufgegriffen, dass sich Politiker quer durch Deutschland auf ein ernsthafter gewordenes politisches Klima einstellen. Steigende Unsicherheit im Sicherheitsbereich sowie Zweifel an den Verteidigungskapazitäten der Bundesrepublik sorgen bei vielen Verantwortungsträgern für schlaflose Nächte. Außerdem stehen die Herausforderungen im Fokus, mit denen grüne Amtsträger wie Kretschmann konfrontiert sind, wenn populistische Strömungen zunehmen und gesellschaftliche Polarisierung stärker ausfällt.

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