Abnehmende Unterschiede: Löhne in Deutschland rücken näher zusammen

Im vergangenen Jahr haben sich die Löhne in Deutschland weiter angeglichen – besonders auffällig: Der Abstand zwischen Gering- und Gutverdienenden schrumpft.

heute 11:36 Uhr | 4 mal gelesen

Es gibt Momente, da überrascht einen der Blick auf ein paar nüchterne Zahlen. Laut dem Lohnmonitor des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) ist die Lohnungleichheit in Deutschland zuletzt spürbar gesunken. Die Bruttostundenlöhne erreichten im zweiten Halbjahr 2025 einen Mittelwert von 25,88 Euro – ein durchschnittliches Plus von 3,9 Prozent. Was unerwartet klingt: Wer in der Mitte der Einkommensskala steht, profitierte mit einem Zuwachs von 5,2 Prozent am meisten, während an der Spitze die Löhne nur um 3,7 Prozent anzogen. Gerade Menschen ohne Berufsabschluss konnten kräftig aufholen, auf nun 18,05 Euro pro Stunde – ein Trend, der viele überraschen dürfte. Sogar im traditionellen Niedriglohnbereich tut sich was: Laut IAB-Ökonom Enzo Weber ist hier der Anteil der Beschäftigten „deutlich geschrumpft“. Gleichzeitig stagnieren die Gehälter von Akademikerinnen und Akademikern so gut wie – seit zwei Jahren geht es kaum noch voran: Im Schnitt lag ihr Stundensatz Ende 2023 bei 30,02 Euro, nun sind es 30,92 Euro. Eine Entwicklung, die Fragen aufwirft: Wird ein Studium oder eine Ausbildung noch genug belohnt? Enzo Weber warnt bereits: Wenn man auch ohne Qualifikation solide verdient, könnte der Anreiz zu lernen abnehmen. Kein Randphänomen, denn schon jetzt hat etwa jeder achte unter 35 Jahren keinen Berufsabschluss, Tendenz steigend.

Die Lohnspannen in Deutschland verkleinern sich, vor allem Mitte und untere Lohngruppen profitieren von Steigerungen – das zeigen aktuelle Daten des IAB. Besonders kräftige Lohnzuwächse gab es bei Beschäftigten ohne abgeschlossene Ausbildung; gleichzeitig stagnieren die Bezüge von Akademiker*innen. Dies lässt Experten wie Enzo Weber anmahnen, den Wert von Ausbildung und Studium nicht aus dem Blick zu verlieren, da die Schere zwischen Qualifizierten und Ungelernten kleiner wird. Neuere Berichte und Stellungnahmen auf taz.de, zeit.de und sueddeutsche.de zeigen, dass das Thema Lohnangleichung derzeit stark diskutiert wird. Manche Stimmen begrüßen die positive Entwicklung für gering Qualifizierte, während andere bereits den Fachkräftemangel durch fehlenden Ausbildungswillen fürchten. Parallel dazu belegen amtliche Statistiken aus dem Frühjahr 2024, dass der Gender Pay Gap noch immer bei rund 18% liegt und es weiterhin Unterschiede zwischen westlichen und östlichen Bundesländern gibt.

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