Seltsam eigentlich, wie sehr sich das Leben, aber auch der Tod, an Statistiken hält: Gerade im Januar häufen sich die Erbfälle, und mit ihnen all die praktischen Fragen, die man doch immer in die Zukunft schieben wollte. Sascha Drache, ein altgedienter Kenner des Stiftungswesens und Autor zu diesem Thema, meint dazu: "Ein Testament ist schnell geschrieben, aber wirklich vorausschauend ist eine Stiftung."
Schauen wir auf Deutschland: Auch 2024 stapelten sich die Nachlässe - die Behörden erfassten über 113 Milliarden Euro steuerpflichtiger Erbschaften und Schenkungen. Aber rechnet man die verdeckten Fälle dazu, geht es locker an die 400 Milliarden jährlich. Mit Immobilien sieht es besonders heftig aus: Fast die Hälfte alles Vererbten sind Häuser oder Wohnungen. Kein Wunder, dass hier Streit nicht nur programmiert, sondern fast unausweichlich ist. Laut Statistischem Bundesamt standen Ende 2022 rund 1,9 Millionen Wohnungen leer – viele davon, weil Erbstreitigkeiten jede Lösung blockierten.
Warum gelingt es so selten, dass ein Erbe reibungslos läuft? Das liegt weniger an der Böswilligkeit aller Beteiligten, sondern vielmehr am deutschen Erbrecht und dem Pflichtteilsanspruch, der immer wie ein Damoklesschwert über jeder Familie hängt. Erbengemeinschaften entstehen gesetzlich, nicht freiwillig – und genau das macht oftmals alles schwer bis unmöglich. Ein Kind will behalten, das andere den schnellen Verkauf, schon ist der Zank unvermeidlich. Ziemlich erschütternd: In fast sieben von zehn verfahrenen Erbengemeinschaften sind es Geschwister, die partout nicht zusammenfinden.
Aber gibt es überhaupt einen Weg, wie Vermögen, Unternehmen oder Immobilien den Generationenwechsel überstehen können, ohne dass sie im Streit zerrieben werden oder an die Steuer verloren gehen? Ja – und der hört eben immer öfter auf den Namen "Stiftung".
Statt mühsam zwischen Pflichtteilen, Freibeträgen, Testamentskonflikten und Steuersätzen zu jonglieren, setzt die Stiftung auf einen radikalen, aber entlastenden Schnitt: Sie übernimmt das Vermögen zu Lebzeiten des Stifters. Dadurch entfällt die riskante Erbengemeinschaft. Das Vermögen gehört fortan der Stiftung – und niemandem sonst, auch nicht den Streitparteien. Das fühlt sich für viele seltsam an, ja, beinahe wie ein Kontrollverlust. Trotzdem: Was keiner mehr ins Privateigentum holen kann, kann auch keiner mehr zerschlagen. Zudem legt die Stiftungs-Satzung dauerhaft fest, nach welchen Regeln ausgeschüttet wird, wer Zugang zu Vermögenswerten hat und welche Ziele verfolgt werden – und diese Satzung bleibt selbst nach dem Tod des Gründers unangetastet.
Spannend ist auch der steuerliche Aspekt: Familienstiftungen genießen deutliche Vorteile bei der Besteuerung von Mieteinnahmen oder Aktiengewinnen und schaffen so nachhaltiges Wachstum des eingebrachten Vermögens. Was allerdings unbedingt bedacht werden muss: Solch eine Struktur muss lange im Voraus projektiert werden – die berühmte Zehn-Jahres-Frist für Pflichtteilsergänzungen gibt hier den Takt vor. Wer spät reagiert, spielt mit dem Zufall – und der ist selten ein guter Verbündeter in Erbsachen.
Zuletzt: Wer meint, das sei nur ein Thema für Millionenerben und Wirtschaftsdynastien, irrt sich. Drache macht deutlich: Gerade Mittelstands-Familien, die nicht alles dem Spiel des Zufalls überlassen wollen, profitieren enorm vom Stiftungsmodell, wenn die Weichen rechtzeitig gestellt werden.
Im Kern steht die Erkenntnis: Wer nicht will, dass sein Erbe im Streit untergeht oder von Steuern aufgefressen wird, muss rechtzeitig planen – und dabei über klassische Testamente und Schenkungen hinausdenken. Eine Stiftung entzieht das Vermögen dem Risiko von Blockaden und Zwangsverkäufen, weil sie eine völlig andere Rechtsform schafft: Das, was keiner Einzelperson mehr gehört, muss auch nicht mehr geteilt werden. Durch die Stiftungsreform von 2023 haben sich die Spielräume und die steuerliche Vorteilhaftigkeit noch einmal spürbar verbessert – dadurch werden langfristige Strategien für die Nachfolge attraktiver als je zuvor, ganz unabhängig davon, ob Millionenvermögen oder das Elternhaus zu regeln sind.
Neue Recherchen heben hervor, dass die Bedeutung privater Stiftungen in Deutschland weiter zunimmt und mittlerweile auch immer mehr junge Familien und Unternehmer auf diese Möglichkeit setzen. Zudem gibt es wachsende politische und gesellschaftliche Diskussionen um die gerechte Verteilung von Erbschaften, die steuerliche Behandlung von Immobilien in Nachlässen und das Problem leerstehender Wohnungen infolge von Erbstreitigkeiten. Insgesamt wird das Thema generationenübergreifende Vermögensplanung und Immobilienweitergabe in aktuellen Beiträgen und Interviews erneut als eines der zentralen gesellschaftlichen Risikofelder bewertet.