Källenius hält der deutschen Gesellschaft vor, an Leistungswillen zu verlieren – dabei zieht er einen treffenden Vergleich: Im Weltfußball gewinnt schließlich auch niemand, wenn nur halbherzig trainiert wird, während die Konkurrenz doppelt so hart ackert. Dass die deutschen Arbeitskosten mittlerweile zu den höchsten weltweit zählen und früher durch flinke Produktivität ausgeglichen wurden, macht ihm zunehmend Sorge. Er spricht sich gegen asiatische Arbeitsbedingungen aus, pocht aber auf bessere Rahmenbedingungen für Unternehmertum und Investitionen – sonst wandert das Kapital eben ab, nüchtern betrachtet. Teilzeitarbeit lobt er, sofern begründet durch Betreuung oder Pflege, mahnt aber: insgesamt müsse wieder mehr gearbeitet werden, sonst droht der Produktivitätsmotor ins Stocken zu geraten. Seine Kritik an Europas Industriepolitik ist deutlich – zu viele Zwänge, zu wenig echte Anreize, besonders bei Infrastruktur, Steuern und Energie. Am Beispiel der Debatte um das Verbrenner-Aus beklagt er, wie politische Vorschriften den Markt eher verkleinern als beleben. Die Freude über etwas mehr Technologieoffenheit sei ohnehin schnell verflogen. In den kommenden Monaten will Källenius die Diskussion im europäischen Kontext weiterführen.
Ola Källenius bringt auf ziemlich direkte Weise zum Ausdruck, dass er Deutschlands Innovationslust und Leistungsbereitschaft schwinden sieht. Interessant ist, wie er gesellschaftlichen Stillstand, hohe Kosten und politische Regulierung als Ursache für wachsendes Misstrauen – und letztlich auch für einen Zulauf zu extremen Parteien wie der AfD – deutet. Während er vor rückwärtsgewandter Politik warnt, bleibt ein gewisser Zwiespalt: Einerseits will er Schutzräume für Teilzeitmodelle, andererseits erwartet er mehr Arbeitsstunden – wie beides zusammengehen soll, bleibt vage. Neueste internationale Zahlen bestätigen, dass Deutschland im Wirtschaftswachstum nachhinkt, was auch andere Unternehmenschefs besorgt aufhorchen lässt. Die Diskussion um das Verbrenner-Aus spiegelt zudem ein Grundproblem: Die Balance zwischen Regulierungen, Innovationsfreiheit und Marktbedürfnissen ist schwierig, aber entscheidend für Europas Zukunft. Källenius steht mit der Sorge keineswegs allein – gerade in der Automobilindustrie wächst das Bedürfnis nach strategischem Kurswechsel. (Quellen: DW, FAZ, Zeit - s.a. Erweiterung unten)