Dringender Ruf nach gemeinsamen europäischen Kampfjets: MTU warnt vor Abhängigkeit von den USA

Der Münchner Triebwerkspezialist MTU erhöht den Druck auf die Politik: Europa dürfe beim Kampfjet-Programm keine Zeit mehr verlieren. MTU-Chef Johannes Bussmann zeigt sich offen für Kompromisslösungen – und warnt eindringlich vor einer zu starken Abhängigkeit von amerikanischer Rüstungstechnik.

heute 00:04 Uhr | 5 mal gelesen

Wenn ich ehrlich bin, klingt das Thema für Außenstehende vielleicht technisch – ein paar Jets hier, ein Konsortium da. Aber das wäre viel zu kurz gegriffen. Europa steht bei der Verteidigung heute an einer Kreuzung: MTU, der bekannte Münchner Triebwerksbauer, ruft nach einer schnellen politischen Linie für den Bau eines neuen, waschechten europäischen Kampfjets – nicht nur als Prestigeprojekt, sondern aus knallharter Notwendigkeit. Der allein auf alter Eurofighter-Technik zu setzen, sei eine Sackgasse, meint Bussmann, der Vorstandsvorsitzende. Das Dilemma: Noch mehr F-35 aus Amerika einzukaufen? Eigentlich ein bequemes Angebot, aber mit fatalen Folgen. Immer diese Abhängigkeit, gerade jetzt gefährlich, findet Bussmann. Das geplagte Kampfflugzeug-Projekt FCAS (Future Combat Air System) ist inzwischen zum Politikum geworden; MTU sitzt dabei zwischen den Stühlen und sieht: Die größten Bremser seien keineswegs die Zulieferer – zwischen MTU und dem französischen Partner Safran laufe alles glatt, sagt Bussmann. Der wahre Clinch: Airbus auf deutscher und Dassault auf französischer Seite, seit Monaten verheddert und misstrauisch. Spannend klingt, dass MTU einen neuen Vorschlag unterstützt, nämlich: Warum nicht einfach gleich zwei Jets bauen – einen kompakten, einen größeren? Bussmann gibt zu, das sei vielleicht nur "zweitbeste Lösung", aber auch pragmatisch. Und: Wenn beide Maschinen aus einem gemeinsamen Triebwerkskonsortium befeuert würden, könnten die Wünsche einzelner Armeen besser unter einen Hut gebracht werden. Klingt logisch, vielleicht sogar vernünftig. Was auffällt – und davon redet aktuell kaum einer: MTU will den Rüstungssektor energischer ausbauen. Mehr als doppelt so viel Umsatz in der Verteidigung binnen zehn Jahren, rechnet Bussmann vor. Kein Wunder: Kriegsführung, insbesondere nach dem Ausbruch des Ukraine-Krieges, verändere sich rasant. Sogar wiederverwendbare Drohnen mit MTU-Motoren sind plötzlich nicht Science-Fiction, sondern ein reales Ziel. Und natürlich hat das alles eine nationale wie industriepolitische Dimension – schräg, wie eng und politisch dieses Geschäft heute geworden ist.

MTU drängt darauf, endlich echte Fortschritte beim europäischen Kampfjet-Projekt FCAS zu machen, weil die sicherheitspolitischen Risiken einer US-Abhängigkeit zunehmen. Im Hintergrund blockieren jedoch offensichtlich Airbus und Dassault das Vorankommen, während die Triebwerkshersteller MTU und Safran besser zusammenarbeiten. Die aktuellen geopolitischen Entwicklungen – etwa in der Ukraine – machen neue Verteidigungstechnologien dringend notwendig, was MTU als Chance sieht, das eigene Verteidigungsgeschäft deutlich zu erweitern. Durch einen möglichen Kompromiss mit zwei Jet-Varianten könnte besser auf die unterschiedlichen Bedürfnisse europäischer Streitkräfte eingegangen werden. Neuere Berichte zeigen außerdem, dass auch andere Branchenakteure (wie Rheinmetall oder Leonardo) ähnliche Forderungen nach mehr europäischer Eigenständigkeit und schnellen Entscheidungswegen erheben. Laut aktuellen Nachrichten wächst der Druck auf die Regierungen, zumal das Projekt FCAS als Symbolfall für technische Innovation und Einigkeit gesehen wird. In der deutschen Politik gibt es dazu parteiübergreifend Unterstützung, allerdings auch Streit um Kosten und die konkrete Ausgestaltung – die Debatte bleibt also lebendig und umkämpft.

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