Erstaunlich deutlich fällt das Votum aus, wenn man die aktuellen Zahlen betrachtet: Rund 93 Prozent der befragten Klinikleitungen erklärten, dass sie sehr gerne oder zumindest überwiegend bereit wären, wieder Zivildienstleistungen zu beschäftigen. Das hat das Deutsche Krankenhaus Institut (DKI) jüngst im Rahmen einer Umfrage festgestellt, wie es die "Rheinische Post" in ihrer Donnerstagsausgabe berichtet. Die Hochrechnung ergibt: Etwa 13.400 potenzielle Zivi-Stellen an etwa 1.260 Standorten – das ist keine Randerscheinung. Zivildienstleistende kämen dabei vor allem in der Pflege oder bei Service-Diensten zum Einsatz. Aber auch Tätigkeiten im technischen oder hauswirtschaftlichen Bereich wären denkbar, wenn auch nicht so häufig.
Henriette Neumeyer, stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Krankenhaus-Gesellschaft, hebt noch einen anderen Aspekt hervor: Für junge Menschen sei der Zivildienst eine Gelegenheit, nicht nur irgendwie einen Job zu machen, sondern reale Einblicke in das Gesundheitssystem zu bekommen – so mancher sei nach dem Zivildienst eben dort beruflich geblieben. Trotzdem, einen dicken Haken gibt es: Die Frage nach dem Geld. Die Häuser könnten sich eine Finanzierung wie beim Bundesfreiwilligendienst vorstellen, betont Neumeyer. Aber ein Eigenanteil von 30 Prozent an einer 2.600-Euro-Vergütung – was bei freiwillig Wehrdienstleistenden vorgesehen ist – sei "nicht machbar". Da winken die Klinikvertreter ab, das wäre wirtschaftlich nicht zu stemmen.
Deutsche Krankenhäuser sehen in der möglichen Wiedereinführung des Zivildienstes eine große Chance zur Entlastung des Personals und zur Nachwuchsgewinnung. Konkrete Zahlen aus der aktuellen DKI-Umfrage zeigen, dass 13.400 mögliche Zivi-Stellen geschaffen werden könnten, besonders in pflegerischen Bereichen und unterstützenden Diensten. Die größten Hürden liegen jedoch bei der Finanzierung: Während eine Vergütung analog zum Bundesfreiwilligendienst für die Kliniken tragbar erscheint, sind höhere Eigenanteile – wie aktuell beim freiwilligen Wehrdienst diskutiert – aus Sicht der Einrichtungen nicht finanzierbar. Laut einem Bericht der Zeit (6.6.24) ist die Debatte um soziale Pflichtdienste deutschlandweit neu entfacht, allerdings bleibt unklar, ob und wann eine verbindliche Entscheidung fällt. Auch die Süddeutsche Zeitung (6.6.24) zeigt, dass der Bundesfreiwilligendienst zunehmend als Alternative gehandelt wird, während der Bedarf an zusätzlichen Hilfskräften – insbesondere in der Pflege – in deutschen Kliniken dramatisch wächst. Perspektivenreiche Stimmen, wie sie taz (6.6.24) einbringt, befürchten allerdings, dass eine Wiedereinführung des Zivildienstes auch eine politische Spaltung in der Gesellschaft vertiefen könnte.