Laut der offiziellen Rückmeldung auf eine Kleine Anfrage aus den Reihen der Grünen – darüber berichtet unter anderem der "Spiegel" – kann das Verkehrsministerium keine genaue Zahl nennen, wie viele Schiffe der sogenannten russischen Schattenflotte es durch die deutsche Ausschließliche Wirtschaftszone (AWZ) geschafft haben. Der Anteil an ‚Substandard-Vessels‘, also solchen Schiffen, die internationale Normen bei Sicherheit, Umwelt und Sozialbedingungen umgehen, sei schlicht nicht messbar. Diese Tanker und Frachter steuern gezielt Häfen mit Kontrollen nicht an, was eine Überprüfung nahezu unmöglich macht. Bis November ist nach Behördenangaben einzig gegen ein Schiff der Schattenflotte vorgegangen worden, im Dezember kam ein weiterer Fall hinzu.
Was Anton Hofreiter, Grünen-Abgeordneter und Initiator der Anfrage, daran besonders aufwühlt: Er sieht die Bundesregierung in einer Art Schockstarre. Seiner Ansicht nach zementiert das Nichtstun indirekt die Finanzierung des russischen Angriffskrieges, denn gerade über die Ostsee wird weiterhin russisches Öl verschifft – inklusive erheblicher Risiken für die Umwelt. Auch der Verband Deutscher Reeder schlägt Alarm: Das regelmäßige Deaktivieren von Ortungssystemen an Bord dieser Schiffe sei ein "gewaltiges Umweltrisiko". Kommt es zu einem Tankerunglück und auslaufendem Öl, können die Konsequenzen für die ohnehin fragile Ostsee-Region katastrophal sein; Versicherungsschutz gibt es bei solchen Grauschiffen ohnehin oft keinen, weshalb die Kosten schlimmstenfalls bei den nord- und osteuropäischen Nachbarstaaten hängen bleiben.
Fachleute vom Bundeswehr-nahen "German Institute for Defence and Strategic Studies" (GIDS) hatten schon im Herbst gefordert, dass europaweit ein zentrales Informationszentrum aufgebaut werden sollte, um Daten über die Schattenflotte auszutauschen und die Gefahr besser einschätzen zu können. Doch auf deutsch-politischer Ebene gibt es bislang keine klaren Zusagen – die Bundesregierung bleibt in ihren Antworten vage und verweist darauf, dass ständig die Wirksamkeit der EU-Sanktionen überprüft werde, erkenne aber ausdrücklich keine gravierenden Daten- oder Kooperationslücken.
Der Artikel beleuchtet die Kritik der Grünen an der bisherigen Tatenlosigkeit der Bundesregierung im Umgang mit russischen Schattenflottenschiffen in der deutschen Ausschließlichen Wirtschaftszone. Im Zentrum steht die Feststellung, dass die Zahl und Aktivitäten solcher Schiffe nicht präzise erfasst werden, weil die überwiegend unter Billigflagge fahrenden Tanker Kontrollen systematisch ausweichen. Umweltverbände und Branchen warnen vor den Folgen eines großen Tankerunglücks ohne ausreichend Haftung und Versicherung. Aktuelle Berichte (u. a. FAZ, Spiegel, Zeit) zeigen, dass die russische Schattenflotte nach wie vor ein etabliertes Netzwerk ist, dessen Ausmaß selbst internationalen Fachstellen schwer zugänglich bleibt. Für die Ostsee und die Küstenanrainer steigt damit das Risiko einer Umweltkatastrophe und zugleich die Gefahr, dass Russland durch das Umgehen von Sanktionen seinen Angriffskrieg weiter finanziert; trotzdem bleibt die Bundesregierung bei der europäischen Koordination zögerlich. Neuere Analysen legen nahe, dass kontrollmechanische und technologische Mittel allein nicht ausreichen: Es braucht wohl deutlich mehr internationalen politischen Druck, eine zentrale europäische Datenbank und ein effektiveres maritimes Lagebild, um die Schattenflotte spürbar einzudämmen.