Vorsorglich und ohne großes Aufsehen hat die Bundeswehr Personal, das nicht unbedingt für den Einsatz notwendig ist, aus dem Irak abgezogen. Hintergrund sind die immer deutlicher werdenden Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran. Diese Entscheidung wurde dem Bundestag nicht als Panikmache, sondern als nüchterne Risikoabwägung kommuniziert. Die deutsche Armee war dort lange Zeit überwiegend damit beschäftigt, lokale Streitkräfte zu schulen – besonders im kurdischen Norden, rund um Erbil. In Bagdad selbst halten sich mittlerweile nur noch ein paar Berater auf, quasi als diplomatisches Zeichen. Zu Hochzeiten waren bis zu 300 Bundeswehrsoldaten in der Region, wobei viele von ihnen sowieso schon auf einen Stützpunkt nach Jordanien umgesiedelt wurden. Besonders brisant ist: Da deutsche Soldaten sich Stützpunkte mit den US-Amerikanern teilen, steigt das Bedrohungsniveau automatisch mit, wenn die USA ins Visier anderer Akteure geraten. Die Vergangenheit zeigt, wie dünn das Eis ist – mehrfach hagelte es Raketenangriffe aus dem Iran Richtung US-Positionen im Nordirak. Gänzlich kalkulierbar ist das alles nicht, trotz aller Planung.
Die Bundeswehr reagiert mit dem Teilabzug im Irak auf die verschärfte Bedrohungslage, die durch die Verwicklungen von USA und Iran im Nahen Osten steigt. Der Fokus deutscher Truppen lag bisher auf der Ausbildung der irakischen Streitkräfte, insbesondere im kurdisch dominierten Norden. Nach jüngsten Angriffen auf US-Stützpunkte und einer generellen Zunahme der Spannungen gilt die Sicherheit aller internationalen Kräfte im Land als gefährdet – und damit auch die deutschen. Überdies berichten Medien übereinstimmend, dass die Lage sogar im benachbarten Jordanien, wo die Bundeswehr Luftbetankungen für die Anti-IS-Koalition durchführt, aufmerksamer beobachtet wird. Laut DW, Spiegel und weiteren Quellen wird damit gerechnet, dass Deutschlands militärisches Engagement im Irak und der Umgang mit Partnern wie den USA immer wieder auf dem Prüfstand stehen wird.