Im Gespräch mit den Zeitungen der "Neuen Berliner Redaktionsgesellschaft" bringt Stefan Körzell vom DGB es ziemlich deutlich auf den Punkt: "Wer ein sonniges Plätzchen im Leben gefunden hat, sollte auch mehr für unser Land aufbringen." Er meint damit die ungleiche Lastenverteilung im System, die ihn störend beschäftigt. Besonders bei Erbschaften kritisiert er die vielen Ausnahmeregelungen für große Betriebsvermögen – stattdessen spricht er sich für Stundungslösungen aus, damit Betriebe nicht direkt in der Krise sind. Körzell denkt aber noch weiter: Vermögende müssten sich viel stärker an Dingen wie Infrastrukturkosten, der Modernisierung der Bundeswehr und dem demografischen Wandel beteiligen, während die Belastung für „normale Sparer“ fairer ausfallen müsste. Die momentane Besteuerung von Kapitalerträgen sieht er kritisch und fordert eine gerechtere Anpassung im Vergleich zur Einkommensteuer. Und: Wäre es nicht an der Zeit, dass enorme Vermögen durch eine einmalige Abgabe einen echten Beitrag leisten? Mit hohen Freibeträgen, versteht sich. Es kann laut ihm einfach nicht angehen, dass Milliardäre immer größere Stücke „vom Kuchen“ bekommen, während die Ungleichheit wächst.
Der Ruf des DGB nach einer stärkeren Belastung der Vermögenden ist Teil einer längst überfälligen Debatte über soziale Gerechtigkeit in Deutschland. Körzell geht es vor allem darum, dass soziale Infrastruktur, Verteidigung und die Herausforderungen des demografischen Wandels nicht nur von Durchschnittsverdienern geschultert werden. Laut aktuellen Schlagzeilen und laufender Diskussionen gibt es Widerstand aus Wirtschaft und konservativen Kreisen, die eine stärkere Besteuerung von Vermögen als Innovationsbremse fürchten – wohingegen soziale Organisationen und progressive Parteien die Vorschläge des DGB durchaus begrüßen.