EU prüft: Komplettes Social-Media-Verbot für Jugendliche bald Realität?

EU-Kommissionsvize Henna Virkkunen liebäugelt mit einer einheitlichen Regelung für die Nutzung sozialer Medien durch Jugendliche – eine Entscheidung könnte noch im Sommer fallen.

heute 15:42 Uhr | 2 mal gelesen

Henna Virkkunen, ihres Zeichens Vizepräsidentin der EU-Kommission und zuständig für Digitales, wirft einen spannungsgeladenen Gedanken in die Runde: Ein pauschales Verbot von Social Media für europäische Jugendliche – das wäre ein Paukenschlag. "Mir wäre eine gemeinsame Lösung für ganz Europa am liebsten", äußerte sie in einem Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Momentan, so Virkkunen, stecke man noch mitten im Datensammeln, lotet aus, hört Expert*innen zu. Die Studienlage ist offenbar so vielfältig wie widersprüchlich, nicht zuletzt, weil soziale Medien zwar Risiken bergen, aber eben auch Raum für Information und Austausch bieten. Doch wem nimmt man da was weg und – ab wann? Das Alter – 13, 14 oder doch 16? – darüber scheint noch kaum Einigkeit zu herrschen. Klar ist nur: Es geht nicht um Symbolpolitik, sondern um wirklich grundlegende Fragen jugendlicher Selbstbestimmung versus Fürsorge. Wie schnell so etwas Fahrt aufnehmen kann, zeigte Australien: Dort wurde jüngst ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige beschlossen – und schon diskutieren Spanien, Frankreich, gar Österreich über ähnliche Wege. Auch in Deutschland brodelt das Thema – nur, dass hier die Meinungen krachen wie altes Holz. Dass es keinen einheitlichen Konsens gibt, ist fast schon beruhigend menschlich.

Die EU ringt derzeit um einen sensiblen Balanceakt: Während negative Auswirkungen sozialer Medien wie Cybermobbing und Suchtpotenzial für Jugendliche zunehmend ins öffentliche Bewusstsein rücken, stehen sie gleichzeitig für Teilhabe, Information und sozialen Anschluss. Kommissionsvize Virkkunen betont, dass eine voreilige Entscheidung weder sinnvoll noch politisch haltbar wäre. Inzwischen verdichten sich die internationalen Erfahrungen – etwa aus Australien und diversen EU-Staaten – und fließen samt Expertenmeinungen in eine zunehmend differenzierte Debatte ein. Nicht zu vergessen: In mehreren EU-Ländern, darunter Spanien und Frankreich, laufen bereits konkrete Gesetzesinitiativen, während in Deutschland das Thema noch verstärkt kontrovers diskutiert wird. Überraschend ist dabei, dass auch jüngere Menschen selbst kritisch über die Nutzung sozialer Netzwerke diskutieren und eine differenzierte Regulierung fordern, wie neue Befragungen zeigen.

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