Direkt am Alexanderplatz, im Cinestar CUBIX, steht an diesem Wochenende nicht nur die Leinwand im Rampenlicht: Die Gewerkschaft Verdi trommelt die Belegschaft beider Kinoketten zum Warnstreik zusammen. 'So sieht der Alltag hinter der Illusion von Glanz aus', sagt Verhandlungsführer Andreas Köhn – und trifft damit einen Nerv. Denn während draußen roter Teppich und Kamerablitze dominieren, kämpfen viele, die den Festivalbetrieb am Laufen halten, mit niedrigen Gehältern und dürftigen Arbeitskonditionen. Cinestar hat bislang darauf verzichtet, den Beschäftigten ein neues Lohnangebot zu unterbreiten und hält am gesetzlichen Mindestlohn fest, als wäre das schon ein Liebesbeweis. Der Konkurrent UCI bewegt sich kaum: 14 Cent mehr pro Stunde – das ist nicht gerade ein Enthusiasmus, der von Wertschätzung zeugt. Erst ab 2027 sollen dort die dann gültigen 14,60 Euro gezahlt werden. Die Unzufriedenheit schwappt deshalb auch nach Leipzig, Frankfurt und Mainz, wo ebenfalls gestreikt werden soll. Verdi fordert 16 Euro als Einstieg, und das nicht irgendwann, sondern sofort. Die nächsten Runden mit den Arbeitgebern sind für den 17. Februar und Anfang März angesetzt – freilich bleibt abzuwarten, ob ein Happy End in Sicht ist.
Das jüngste Kräftemessen zwischen Verdi und den großen Kinoketten Cinestar und UCI fällt ausgerechnet in die Zeit der renommierten Berlinale, wodurch der Arbeitskampf besonders ins Blickfeld der Öffentlichkeit rückt. Die Kernforderungen der Gewerkschafter – ein Stundenlohn von mindestens 16 Euro und bessere Arbeitsbedingungen – stehen nach wie vor unbeantwortet im Raum, da Cinestar kein Angebot vorlegt und UCI nur marginale Erhöhungen vorschlägt. Von den verschiedenen Nachrichtenportalen berichtete die taz detailliert über die Perspektiven der Beschäftigten, während zeit.de kritisch die Lohnpolitik der Kinoketten beleuchtete und Spiegel Online Hintergrundinfos zum Festivalkontext und zur Symbolkraft des Streiks lieferte. Darüber hinaus zeigen jüngste Medienberichte, dass der Arbeitskampf ein Symptom tieferliegender Probleme im gesamten Kulturbetrieb ist, von der geringen Wertschätzung für die Leistung der Belegschaft bis hin zu grundsätzlichen Fragen der Existenzsicherung im Niedriglohnsektor. Internationale Beobachter weisen zudem darauf hin, dass ähnliche Konflikte in anderen europäischen Metropolen zunehmen, was den Druck auf deutsche Unternehmen zusätzlich erhöht.