Die Sicherung der Stabilität im deutschen Stromnetz verläuft mittlerweile eng verzahnt mit den Kapazitäten ausländischer Kernkraftwerke, besonders aus Frankreich. Damit deutsche Hochspannungsleitungen nicht durch Spitzen von erneuerbarer Erzeugung überfordert werden, nehmen die Netzbetreiber steuernde Eingriffe vor. Das kann bedeuten, dass Betreiber französischer AKWs auf Weisung hin ihre Leistung drosseln oder hochfahren – je nachdem, ob gerade zu viel Wind- und Solarstrom drückt (negativer Redispatch) oder ein unerwarteter Engpass droht (positiver Redispatch). Für diese kurzfristigen Regelungen erhalten die Kraftwerksbetreiber Ausgleichszahlungen, die letztlich auf deutsche Verbraucher über die Netzentgelte umgelegt werden – ein Modell, über das sich vermutlich viele nur am Rande Gedanken machen. Offizielle Zahlen der Bundesnetzagentur sprechen für 77 Gigawattstunden Redispatch-Strom aus ausländischen Kernkraftwerken zwischen Januar und September 2025. Im Vergleichszeitraum 2024 waren es rund 69 GWh – ein merklicher Anstieg. Entscheidend hierbei: Nach dem deutschen Atomausstieg 2023 wurde die Bundesrepublik auf Dauerstromimporteur und Frankreich zum Leitlieferanten von Atomstrom mit über 9.500 GWh allein im Vorjahr. Wer von den vier großen Netzbetreibern - Amprion, Tennet, 50Hertz oder TransnetBW – konkret für die Einkäufe verantwortlich ist, bleibt eine offene Frage. Laut Netzagentur gilt das Prinzip, solche Einsätze gemeinsam und möglichst effizient zu koordinieren. Irgendwie ein pragmatischer, aber auch fast unbeachteter Teil der deutschen Energiewende.
Deutschlands Stromnetz braucht Stabilität, die Erneuerbare alleine derzeit nicht liefern können – das zeigt sich spätestens dann, wenn Windstille herrscht oder die Sonne sich hinter den Wolken versteckt. Laut offizieller Statistik nahm der Importstrombedarf Deutschlands nach dem Atomausstieg im Jahr 2023 deutlich zu; Spitzenreiter beim Lieferantenranking ist Frankreich mit Atomstrom. Interessant ist dabei, dass der Redispatch-Bedarf – also gezielte Leistungsanpassungen zur Netzsicherheit – innerhalb eines Jahres aus dem Ausland weiter zunahm. Ein Blick in aktuelle Medienberichte (Stand Anfang Juni 2024): In Frankreich ist der Anteil der Atomkraft an der Stromerzeugung nach wie vor mit fast 70 Prozent extrem hoch, wie auch die "Frankfurter Allgemeine" betont, während Deutschland nach der Abschaltung der letzten AKWs zunehmend auf flexible Importe angewiesen ist. Hinzu kommt – laut "Spiegel" und "Süddeutscher Zeitung" aus den letzten Tagen – dass Frankreich selbst zeitweise mit eigenen Kapazitätsproblemen kämpft und seinerseits Importe benötigt, was die Situation weiter verkompliziert. Die teils teuren Redispatch-Maßnahmen werden in Deutschland direkt auf die Netzkosten abgewälzt. Fachleute warnen zudem vor einer zu starken Abhängigkeit von wenigen Nachbarländern, vor allem weil technische Probleme oder politische Konflikte kurzfristig enorme Auswirkungen auf die Stromstabilität haben könnten.