Social-Media-Altersgrenze: Ein Minister warnt vor übereilten Schritten

Karsten Wildberger, zuständig für Digitales in der CDU, bremst die Debatte um ein rasches Verbot sozialer Medien für Jugendliche aus. Die positiven Signale aus Australien sieht er zwar – aber ganz überzeugt ist er noch nicht.

heute 03:02 Uhr | 3 mal gelesen

Das Ganze wirkt wie ein kniffliges Tauschgeschäft: Auf der einen Seite drängen Politiker aus der CDU auf eine klare Altersbegrenzung – die 14-Jahre-Grenze für Tiktok und Co. soll kommen. NRW und Schleswig-Holstein machen in der Fraktion Dampf. Wildberger indes mahnt zur Besonnenheit: "Die Expertenrunde, die genau draufschaut, ist noch nicht fertig mit ihrer Arbeit. Bis Sommer soll ein Vorschlag auf dem Tisch liegen", betont er. Die Idee, Social Media für Jüngere einfach strikt zu verbieten, gefällt Wildberger nicht wirklich. "Das Thema ist vielschichtig", sagt er. Er sei zwar nicht dagegen, eine Altersgrenze einzuziehen – aber als eine Art Brückenlösung, nicht als starre Endstation. Und zur Wahrheit gehöre eben auch: Im Elternhaus werde oft selbst vorgelebt, wie selbstverständlich man am Handy hängt. Kann man dann wirklich ein Gesetz erlassen und plötzlich ist das Problem gelöst? Da sei er skeptisch. Vielleicht müsse es neben einer Altersgrenze auch technisch bessere Jugendschutzregeln geben – Plattformen, die mitdenken. Und schärfere Standards auf den Geräten selbst. "So lange das nicht geht, bringt eine Begrenzung vielleicht etwas." Trotzdem: Die Verantwortung der Eltern lässt sich laut Wildberger sowieso nie per Gesetz abgeben. Es bleibt ein ewiges Abwägen – und am Ende wohl ein Kompromiss.

Karsten Wildberger, CDU-Experte für Digitales, spricht sich gegen schnelle und starre Maßnahmen zum Thema Social Media und Jugendliche aus. Nach ersten Testläufen in Australien rät er dazu, auf die Vorschläge der laufenden Expertenkommission zu warten, die bis Sommer Ergebnisse liefern soll. Während einige CDU-Landeschefs politischen Druck machen, sieht Wildberger die Problematik in vielfacher Hinsicht – Technik, staatliche Regeln und nicht zuletzt das Elternhaus – und plädiert daher für eine Mischung aus gesetzlichen Altersgrenzen, besserem technischen Jugendschutz sowie familiärer Eigenverantwortung. Ergänzung (Stand Juni 2024/Recherchedetails): Die Debatte um Social-Media-Altersgrenzen spielt nicht nur in Deutschland, sondern europaweit eine Rolle. Frankreich und Spanien diskutieren ebenfalls über strengere Regulierungen – vielerorts werden neben Altersverifikationssystemen auch verpflichtende Kinderschutz-Einstellungen in sozialen Plattformen gefordert. Große Netzwerke experimentieren mit biometrischem Altersnachweis sowie elterlichen Kontrolltools. Während Experten warnen, dass rein technische Maßnahmen leicht umgangen werden können, deuten Studien darauf hin, dass jugendliche Social-Media-Nutzung mit Problemen wie Schlafmangel und Angststörungen korreliert – allerdings ist der Kausalzusammenhang noch nicht abschließend geklärt. Derweil wächst in Deutschland der öffentliche Druck, die digitalen Räume zumindest für jüngere Nutzer sicherer zu gestalten.

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