Immer mehr Menschen bleiben nach Renteneintritt im Job

In Deutschland nimmt die Zahl älterer Menschen, die auch nach Beginn ihrer Rente weiterarbeiten, stetig zu.

20.01.26 11:50 Uhr | 6 mal gelesen

Kürzlich veröffentlichte das Institut für Arbeit und Qualifikation gemeinsam mit der Hans-Böckler-Stiftung neue Zahlen, die eigentlich niemanden kaltlassen dürften: Wer heutzutage 65 ist, steckt den Hammer (oder den Laptop) immer seltener einfach in die Ecke. In den letzten zehn Jahren wuchs die Erwerbstätigenquote der 65- bis 69-Jährigen merklich – von 13 auf satte 20 Prozent. Der Hauptgrund? Zu häufig ist's nicht die große Lust am Schaffen, sondern schlicht das Konto: Viele Senioren arbeiten vor allem wegen finanzieller Notwendigkeit weiter, kommt es mir manchmal so vor, als stünden wir kurz vor einer 'Rente light'. Viel Bewegung gibt es durch die „Babyboomer“-Generation, die nun ins Rentenalter rollt, aber anders als vielleicht erwartet, sieht die Mehrheit der erwerbstätigen Rentner ihre Arbeit nur als Nebenjob: Rund 50 Prozent sind nicht mehr als 15 Stunden wöchentlich beschäftigt. Besonders auffällig: Während der öffentliche Dienst im Vergleich zu privaten Bereichen viele ältere Mitarbeitende hat, mischen dort ausgerechnet wenige Rentner als Nebenjobber mit. Das liegt – so deuten es die Fachleute – nicht daran, dass es etwa zu stressig wäre, sondern ganz profan an wie die Unternehmen ihre Leute auswählen und einsetzen wollen. Manchmal widerspricht eben die Praxis den Annahmen.

Immer mehr Rentner in Deutschland ziehen es vor – oder sind darauf angewiesen –, auch nach dem offiziellen Renteneintritt weiterzuarbeiten. Die Studie des IAQ zeigt: Das betrifft mittlerweile jeden fünften Menschen zwischen 65 und 69 Jahren, getrieben von finanziellen Überlegungen, aber auch vom Wunsch, aktiv zu bleiben. Bei genauerem Hinsehen entpuppt sich die Vorstellung vom arbeitenden Rentner als vielfältig: Vieles ist Teilzeit, öfter geht es nur um ein paar Stunden pro Woche, und die Rolle der Unternehmen bei der Wiedereinstellung älterer Arbeitskräfte gerät mehr in den Fokus. Interessant ist, dass die Generation der nachrückenden Rentner mit ihren Lebenserwartungen und Rentenhöhen auch altbekannte Sicherheiten infrage stellt – angesichts einer Gesellschaft, die langsam, aber sicher altert. Außerdem wird der Arbeitsmarkt trotz der Altersarbeit nicht automatisch entlastet, denn viele Jobs sind nicht vollwertig besetzt. Hinzu kommt neuerlich Diskussion um Respekt, Lebensarbeitszeit und die Frage, wie lange Arbeit eigentlich sinnstiftend ist – nicht nur ökonomisch, sondern auch menschlich und gesellschaftlich.

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