Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) hat es am Dienstag schwarz auf weiß gemacht: Im April hat es mit 1.776 Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften in Deutschland einen neuen Höchststand gegeben. Damit wurde sogar der erst im März aufgestellte Rekord schon wieder übertroffen. Und laut IWH-Experten dürfte es in den kommenden Monaten kaum Entwarnung geben – ein Satz, der beinahe wie ein resignierter Seufzer klingt.
Im Detail: Gegenüber März bedeutet das ein Plus von 3 Prozent, im Jahresvergleich satte 10 Prozent mehr. Im historischen Vergleich (April 2016-2019) sind es sogar schwindelerregende 82 Prozent mehr. Damit bewegt sich die aktuelle Entwicklung auf dem Niveau von Juni 2005, als zuletzt ähnlich viele Unternehmen den Gang zum Insolvenzgericht antreten mussten.
Die Gründe? Besonders hart hat es im April die Hotel- und Gastrobranche sowie das Immobilienwesen erwischt. Beim Einzelhandel und bei Dienstleistern wurde der neue traurige Höchststand eher knapp verfehlt – kleine Gnadenfrist vielleicht, ansonsten bleibt die Lage düster. Regional bricht vor allem Berlin aus dem Rahmen, was offenbar an einer Welle von Hotelinsolvenzen liegt. Auch Bayern weist auffällig hohe Zahlen auf.
Die Sache hat freilich nicht nur statistische Relevanz, denn: Allein im April standen bei den insolventen Großunternehmen rund 20.000 Arbeitsplätze auf der Kippe – was einem Anstieg um 43 Prozent gegenüber März entspricht und sogar das Doppelte des Vor-Corona-Niveaus ist. Zwei große Handelsinsolvenzen haben dabei den Löwenanteil, mit insgesamt etwa 6.000 betroffenen Jobs. Irgendwie fühlt sich das alles wie ein Deja-vu an, bloß dass diesmal wenig Hoffnung mitschwingt.
Die anhaltende Welle von Firmeninsolvenzen in Deutschland, besonders in traditionellen Dienstleistungsbranchen und im Immobiliensektor, reflektiert eine tiefgreifende wirtschaftliche Unsicherheit und einen Strukturwandel, der durch steigende Kosten, geändertes Konsumverhalten und Nachwirkungen der Pandemie verschärft wird. Neben den unmittelbaren Arbeitsplatzverlusten verstärken die Pleiten auch den Druck auf regionale Arbeitsmärkte – etwa in Berlin und Bayern, wo gleich mehrere große Arbeitgeber betroffen waren. Die Perspektive bleibt kurz- bis mittelfristig kritisch, denn Branchenexperten warnen vor weiteren Insolvenzwellen bis mindestens zum Spätsommer, wobei auch Liquiditätsengpässe und höhere Zinsen kleinere und mittlere Betriebe besonders hart treffen. Viele Stimmen aus Politik und Wirtschaft fordern gezielte Hilfen und strukturelle Reformen, andere mahnen allerdings, nicht in eine Dauerstützung zu verfallen, sondern Anpassungsprozesse und Innovation zu fördern.