Für Drees & Sommer scheint die Devise zu gelten: Stürmische Zeiten übersteht, wer früh neue Wege einschlägt. Das Jahr 2025 bringt dem Beratungsspezialisten mit Fokus auf Bau, Immobilien und Infrastruktur erstmals einen Umsatz über einer Milliarde – eine Marke, die noch ein Jahr zuvor kaum denkbar schien. Im Vergleich zum Vorjahresumsatz von 964,2 Millionen Euro und einem operativen Gewinn von 114,6 Millionen Euro beträgt das Plus nun 5,5 Prozent beziehungsweise rund 2,5 Prozent beim Ergebnis. Noch 2023 lag beides deutlich darunter. Auffällig: Etliche Kunden pflegen eine jahrelange, zum Teil jahrzehntelange Verbindung zum Unternehmen. Solche Bindungen trotzen auch widrigem Marktwetter.
Frühzeitig setzte Drees & Sommer auf Felder wie Infrastruktur, Industrie und Internationalisierung – und sieht sich nun bestätigt, wie Vorstandssprecher Steffen Szeidl anmerkt. Gerade der Infrastruktursektor steht aktuell massiv unter Druck: Alte Brücken, renovierungsbedürftige Schulen, marode Schienen. Zwar stehen Mittel zur Verfügung, doch es fehlt oft an klaren Prioritäten und Kapazitäten in der Umsetzung. Das Unternehmen betont hier die eigene Rolle im strategischen Management und sieht in transparenteren öffentlich-privaten Partnerschaften eine Möglichkeit, Projekte zu beschleunigen und private Gelder zu nutzen. Exemplarisch wird das Mammutprojekt Terminal 3 am Frankfurter Flughafen hervorgehoben, das Drees & Sommer jahrelang als Komplettdienstleister begleitet hat.
Im Immobilienbereich sind steigende Baukosten und Nachhaltigkeitsthemen die dominierenden Stolpersteine. So mancher Wohnungsbau gerät ins Stocken, da klassische Verfahren zu teuer werden. Hier setzt das Unternehmen auf serielle, modulare Bauweisen, um Projekte bezahlbarer und klimagerecht zu realisieren.
Aus der Industriesparte werden Errungenschaften wie Automatisierung und Künstliche Intelligenz auf die Immobilienwelt übertragen. Die Partnerschaft mit Neura Robotics spinnt diese Idee weiter: Mit digitalen Zwillingen und intelligenten Umgebungen sollen Gebäude interaktiv, lernend und fit für den Betrieb der Zukunft werden. Eine interdisziplinär aufgestellte Einheit – "The Bau Ventures" – bündelt dabei Innovations- und Venture-Aktivitäten: Einerseits wird an eigenen Startups getüftelt, andererseits gezielt in junge Firmen investiert. Das Ziel: Frühe praktische Anwendung und Skalierung, um deutlichen Mehrwert auf Baustellen, für Erträge und Klimaschutz zu generieren.
Zwei aktuelle Unternehmensschwerpunkte kreisen um Wasser – ein oft übersehener Wirtschaftsfaktor – und Sicherheit. Rekorddürre wie Starkregen gefährden Infrastruktur und Produktion. Wasserexpertise, Schwammstadtkonzepte und industrielle Wasserkreisläufe sollen helfen, Resilienz zu stärken. Im Bereich Security werden Bauherren bei komplexen Projekten beraten, wo zivile, ökonomische und sicherheitspolitische Ansprüche aufeinanderprallen.
International wächst die Präsenz gezielt dort, wo Kunden nach Begleitung verlangen. 2025 etwa in den USA durch Integration von VVA Projects und im Vereinigten Königreich durch Annäherung an RSP Consulting Engineers – zwei Schritte, die Zugang zu boomenden Branchen wie Life Sciences oder Rechenzentren eröffnen.
Nicht zu unterschätzen: Das alles funktioniert nur durch die rund 6.500 Menschen, die an über 80 Standorten an weltweit fast 7.000 Projekten mitmischen. Vorstand Marc Schömbs hebt ausdrücklich die individuelle Verantwortung jedes Mitarbeitenden hervor, die zum Erfolg beiträgt. Angesichts angespannter Finanzierungsbedingungen und weiterhin unsicherer Rahmenbedingungen bleibt der vorsichtige Optimismus: Diversität, Innovationswille und Nähe zu Kunden sollen den Kurs absichern.
Drees & Sommer SE hat im Jahr 2025 trotz brüchigem wirtschaftlichen Fundament und globaler Spannungen einen neuen Umsatzrekord erzielt. Mit erstmals über einer Milliarde Euro werden die langjährigen Investitionen in Zukunftsfelder sowie die Verstärkung in internationalen Märkten als Erfolgsfaktor gewertet. Besonders hervorzuheben ist das frühe Engagement in öffentlich-privaten Partnerschaften, innovative Bautechnologien wie modulares Bauen für mehr Nachhaltigkeit und Kosteneffizienz sowie der Unternehmergeist, in neuen Bereichen wie Wasserwirtschaft und Gebäudesicherheit aktiv zu werden.
Aktuell steht die gesamte Immobilienwirtschaft in Deutschland noch am Rand einer Krise: Nach mehreren Medienberichten verlangsamen sich Projektumsetzungen, steigende Zinsen und Fachkräftemangel bleiben eine echte Belastung (siehe Quelle: SPIEGEL). Während die Bundesregierung in den vergangenen Tagen zusätzliche Investitionshilfen für Infrastrukturprojekte angekündigt hat, diskutiert die Branche offen darüber, wie private Investitionen intensiver eingebunden werden können (weitere Details unter Quelle: FAZ). Darüber hinaus stehen Digitalisierung und KI auch in der Bauwirtschaft verstärkt im Fokus. Vor allem Projekte rund um Automatisierung und smarte Bauplanung werden in aktuellen Leitartikeln als Schlüssel für eine robustere Bauindustrie genannt (Quelle: t3n).