Wirtschaftsministerium kritisiert Pläne für staatliche Gasreserve

Das Bundeswirtschaftsministerium zeigt sich derzeit ziemlich kritisch gegenüber einer staatlich verordneten Gasreserve – und das nicht ohne Grund.

04.04.26 20:22 Uhr | 5 mal gelesen

In einem vertraulichen Dokument aus dem Wirtschaftsministerium – der dts Nachrichtenagentur zugespielt –, wird recht deutlich: Die Beamten zweifeln entschieden am Nutzen einer staatlichen Gasspeicher-Reserve. Eine von 'Trading Hub Europe' organisierte Befüllung würde den Markt durcheinanderbringen, so steht es zwischen den Zeilen. Die Botschaft ist klar: Regulierung von außen könnte falsche Versprechen machen, denn eigentlich liege diese Aufgabe beim Markt selbst. Interessant: Schon jetzt ist angeblich genug Gas vorhanden, mehr als zwei Drittel der Speicher sind bereits fest verplant – ein Wort, das im Vergleich zum letzten Jahr ziemlich nach Fortschritt klingt. Damals waren es erst gut die Hälfte. Man spürt förmlich das Zögern, ob staatliches Eingreifen überhaupt nötig ist. Und dann noch die Preisvolatilität: Mal schwankt der Unterschied zwischen Sommer- und Winterpreisen heftig, mal scheint alles stabil. Im selben Dokument, das sich mit denkbaren Auswirkungen globaler Krisen beschäftigt, werden Pro und Contra abgewägt. Gerade, weil zuletzt Stimmen aus der Branche laut wurden, die den Staat in der Pflicht sehen. Sebastian Heinermann, Kopf der 'Initiative Energien Speichern', schlug Mitte März etwa vor, eine strategische Reserve von etwa 78 TWh – das klingt wie eine Menge – einzurichten. Damit ließen sich Notfälle wie der Ausfall einer wichtigen Pipeline kurzfristig abpuffern. Aber offenbar sagt das Ministerium: Noch ist die Zeit für so scharfe Maßnahmen nicht gekommen.

Das Bundeswirtschaftsministerium zweifelt an der Sinnhaftigkeit einer staatlichen Gasreserve und sieht im Moment den Markt selbst in der Verantwortung für das Befüllen der Speicher. Hauptargumente: Es existieren ausreichende Kapazitäten, die Speicher sind bereits zu einem hohen Anteil gebucht, und staatliche Eingriffe würden Marktdynamiken verzerren. Zudem sorgt die Preisunsicherheit dafür, dass wirtschaftliche Anreize bestehen bleiben – während Branchenvertreter wie die Betreiber der Gasspeicher dennoch stärkeres staatliches Engagement fordern. In aktuellen Berichten wird deutlich, dass auch auf europäischer Ebene strategische Reserven und Marktmechanismen kontrovers diskutiert werden, da neue geopolitische Unsicherheiten, beispielsweise durch den Nahostkonflikt oder Unsicherheiten bei Lieferländern wie Norwegen, die Energiepolitik unter Druck setzen.

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