Bundeswehr kämpft mit Freiwilligenmangel für Litauen-Mission

Die Bundeswehr stößt bei der Rekrutierung von Soldaten für die geplante Brigade in Litauen auf überraschend wenig Begeisterung – es fehlen jede Menge Freiwillige.

heute 12:47 Uhr | 4 mal gelesen

In internen Statistiken – vertraulich, aber an den 'Spiegel' gelangt – zeigt sich deutlich: Weit weniger Soldaten als benötigt haben sich für einen zweijährigen Auslandseinsatz an der Nato-Ostflanke in Litauen gemeldet. Besonders kritisch ist der Mangel bei den Mannschaftsdienstgraden, die den Löwenanteil der Brigade ausmachen sollen. Bei den Schlüsselbattaillonen Panzer 203 und Panzergrenadier 122 liegt die Freiwilligenquote teils nur zwischen mageren 28 und 47 Prozent – ein ziemlicher Kaltstart für das Vorhaben, bis 2027 einen voll einsatzbereiten Verband aufzustellen. Noch drastischer liest sich das im Verteidigungsministerium, wo in einem internen Bericht von ganzen zehn Prozent Freiwilligen für rund 2.000 Dienstposten der „neuen Hauptkräfte“ (Artillerie, Pioniere, Aufklärung und Unterstützung) die Rede ist. Dabei hatte Verteidigungsminister Pistorius im vergangenen Sommer die Stationierung der voll ausgestatteten Bundeswehrbrigade in Litauen mit viel politischem Rückenwind angekündigt – und immerhin sollen die Einsätze ausdrücklich freiwillig bleiben (ein Versprechen, das jetzt offenbar an seine Grenzen stößt). Um den Dienst im Ausland attraktiver zu machen, wurde zwar schon kräftig an der Prämien-Schraube gedreht, aber die Resonanz fällt überschaubar aus. Nun schaltet das Ministerium in den Krisenmodus: Es plant Infokampagnen mit 43.000 Briefen an potenzielle Soldaten, lockt mit Schnupper-Ausflügen zu den Kasernen in Litauen – und überlegt, die Mindestverweildauer auf ein Jahr zu verkürzen. Trotzdem bleibt die Personalfrage offen – auch, weil das Heer betont, die aktuellen Zahlen gäben lediglich eine Momentaufnahme aus Ende letzten Jahres wider und sagt vorsichtig, es sei derzeit schwer abzuschätzen, ob künftig mehr Freiwillige zusammenkommen. Sicher ist: Den Personalaufbau für den Ostflanken-Einsatz jagt die Truppe nicht gerade im Sturm.

Tatsächlich ringen nicht nur das Panzerbataillon 203 und die Panzergrenadiere 122 mit fehlenden Freiwilligen. Laut Bundeswehr führen neben der langen Abwesenheit von Familie und Freunden auch Sorgen um die Infrastruktur in Litauen – etwa Schulen, medizinische Versorgung und Unterbringung – zu Zurückhaltung. Aktuell schließt das Ministerium weder verpflichtende Versetzungen noch weitere Personalmaßnahmen aus, falls sich die Lage nicht wesentlich bessert. In einer aktuellen Umfrage unter Soldaten äußerten einige Bedenken, dass die finanzielle Attraktivität allein nicht ausreiche, um die persönliche Investition und die Risiken auszugleichen. Die Bundeswehr sieht die dauerhafte Stationierung als historisches Novum – während Litauen den Einsatz ausdrücklich begrüßt, bleibt die Umsetzung belastet von Unwägbarkeiten, Zweifeln und Änderungsbedarf – nicht zuletzt mit Blick auf das Bild der Bundeswehr als Arbeitgeber. In internationalen Medien wird dieses Thema vor dem Hintergrund der steigenden geopolitischen Spannungen und der erhöhten Bedeutung der Nato-Ostgrenze verstärkt diskutiert.

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