Transatlantische Kritik an Macrons Russland-Kurs: Warnung vor Spaltung Europas

Alexandra de Hoop Scheffer, führende Stimme des German Marshall Fund, wirft Präsident Macron Symbolpolitik gegenüber Russland vor – und warnt eindringlich vor Alleingängen im Umgang mit Moskau.

heute 13:17 Uhr | 4 mal gelesen

Die jüngsten Annäherungen von Frankreichs Präsident Macron an Russland seien laut Alexandra de Hoop Scheffer mehr Schein als Sein. "Das ist politisches Schaulaufen. Macron weiß selbst, dass von russischer Seite keinerlei echtes Interesse an ernsthaften Waffenstillstandsverhandlungen signalisiert wird – und trotzdem sucht er das Gespräch", erklärte sie im Interview mit dem Handelsblatt. Besonders problematisch empfindet die GMF-Präsidentin, dass Macron seinen Sicherheitsberater nach Moskau geschickt hat, als hätte er ein Mandat für ganz Europa. "Kurz vor der Münchner Sicherheitskonferenz mit solch einem Solo zu kommen, kann die ohnehin fragile Geschlossenheit der EU sprengen." De Hoop Scheffer moniert: Frankreich dränge sich als Hauptsprecher Europas auf, ohne den Versuch, vorher abgestimmte Positionen mit den Partnern zu schaffen. Dadurch, so ihre Warnung, spiele Paris eigentlich das Spiel Russlands mit, das immer an europäischen Bruchlinien interessiert ist. Sie fordert stattdessen eiserne Disziplin: "Wir müssen als Europa geschlossen auftreten – davon sind wir aktuell leider weit entfernt." Klartext, der wirken soll.

Der Streit um das richtige Vorgehen gegenüber Russland wächst innerhalb Europas. Während Emmanuel Macron erneut versucht, durch direkte Gespräche mit Moskau Bewegung in die festgefahrene Situation rund um den Ukraine-Krieg zu bringen, sorgt sein Alleingang für Unmut – nicht zuletzt beim German Marshall Fund. Die Präsidentin der Denkfabrik, Alexandra de Hoop Scheffer, kritisiert, dass diese französischen Aktionen der europäischen Einheit schaden und das Risiko bergen, dass Russland europäische Uneinigkeit gezielt für seine Zwecke nutzt. Auf die Frage, wie realistisch Änderungen von Moskaus Verhalten durch diese diplomatischen Vorstöße seien, äußerte sich de Hoop Scheffer skeptisch bis ablehnend. Eine Vielzahl weiterer Stimmen, darunter auch Vertreter anderer EU-Nationen, plädieren für eine viel stärkere Abstimmung zwischen den Mitgliedsstaaten und mehr gemeinsames Handeln statt nationaler Alleingänge.

Schlagwort aus diesem Artikel