Juso-Vorsitzender zweifelt an Sinn von Social-Media-Verbotsplänen

Philipp Türmer, Chef der Jusos, hält ein komplettes Social-Media-Verbot für Minderjährige für wenig realistisch und fordert stattdessen stärkeren Druck auf die Plattformanbieter.

heute 15:59 Uhr | 3 mal gelesen

Mitten in der aktuellen Debatte um den Umgang mit Social Media für Jugendliche stellt sich Juso-Vorsitzender Philipp Türmer quer zu den populären Forderungen nach pauschalen Verboten. Zwar lobt er das jüngste Konzept aus der SPD-Bundestagsfraktion als immerhin gründlicher als frühere, recht einfache Verbotsaufrufe, aber eine entscheidende Schwäche bleibt für ihn: 'Junge Leute lassen sich nicht einfach aus dem Internet heraushalten. Sie sind erfinderisch, werden immer Wege um Einschränkungen herum finden.' Gerade das scheint fast schon ein Naturgesetz zu sein - und ehrlich gesagt, ich erinnere mich selbst daran, wie Verbotenes damals besonders reizvoll war. Höchstens würde ein zu rigides Vorgehen das eigentliche Ziel, nämlich den Jugendschutz, konterkarieren, warnt er. Stattdessen sieht Türmer Nachholbedarf bei den Plattformbetreibern, die sich nach wie vor um Verantwortung drücken. 'Der Instagram-Chef behauptete neulich wieder, seine App mache gar nicht süchtig – das grenzt an Realitätsverweigerung, wenn man die eigenen internen Berichte anschaut', echauffiert sich der Juso-Chef. Versprochen wird viel, eingehalten wenig. Türmer fordert darum, die Betreiber konsequent in die Pflicht zu nehmen – an der Stelle, wo sie wirklich Einfluss haben, nicht bloß mit netten Floskeln oder scheinheiligen Zugeständnissen.

Philipp Türmer macht in der Debatte um Social-Media-Regulierung deutlich, dass Verbotsforderungen am Leben vorbei gehen. Sein Hauptpunkt: Jugendliche sind technisch so versiert, dass sie immer einen Weg um Sperren herumfinden. Daher würde ein striktes Verbot wohl weitgehend ins Leere laufen und schlimmstenfalls den Jugendschutz sogar schwächen, indem das Thema in die Illegalität verdrängt wird. Zudem legt er den Finger in die Wunde der Social-Media-Unternehmen: Diese drückten sich weiterhin davor, ihre Verantwortung für negative Folgen – etwa Suchtgefahr oder psychische Belastungen – offen anzuerkennen. Experten und Stimmen aus anderen Parteien fordern derzeit ähnlich wie Türmer einen stärkeren Fokus auf konsequente Regulierung der Betreiber sowie mehr digitale Bildung für Kinder und Eltern. In den letzten Tagen ist die Debatte weiter eskaliert, auch medienrechtliche Stimmen aus den Ländern sprechen sich verstärkt gegen simplifizierende Verbots-Ideen zugunsten eines europäischen Ansatzes aus. Gerade in Frankreich gibt es Bestrebungen für ein Mindestalter von 15, allerdings sind die Umsetzungsprobleme vergleichbar mit denen in Deutschland.

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