Möglicher Brandanschlag auf Cem Özdemir: Staatsschutz ermittelt

Ende Januar wurde in Metzingen offenbar nur durch Zufall ein Anschlag auf Grünen-Politiker Cem Özdemir verhindert – und das während einer gut besuchten Wahlkampfveranstaltung.

heute 20:01 Uhr | 4 mal gelesen

Manchmal entscheiden Minuten über den Verlauf der Geschichte – oder zumindest über ihren Randnotizen. In der alten Kelter in Metzingen, in der gut 400 Menschen zusammenkamen, um Cem Özdemir zu erleben, brachten die Schatten jener Nacht mehr als bloß politische Reden. Eine einfache, mit brennbarem Stoff gefüllte Plastikröhre entdeckt zwischen morschen Holzbalken – zu viel Potenzial für eine Katastrophe. Wenn man ehrlich ist, hat an solchen Orten gewöhnlich niemand ein Auge für Details, geschweige denn für versteckte Brandherde. Doch Cindy Holmberg, Landtagsabgeordnete der Grünen, wurde misstrauisch – und entdeckte das Unheil in Miniaturform: das Röhrchen, schon glimmend, hat das Holz bereits verrußt. Ein Personenschützer griff beherzt ein und erstickte die Flamme. Die Polizei erwähnt in ihrem Bericht nüchtern einen „Docht“, doch die Absicht scheint offenkundig. Das Landeskriminalamt und das Staatsschutz-Zentrum schauen nun genauer hin. War es politisch motiviert? Gut möglich. Özdemir erfuhr erst nach dem Event vom Vorfall; ihn beschäftigt das zutiefst. Denn, so sagt er, da, wo Dialog gewaltsam gestört wird, ist das Fundament der Demokratie in Gefahr. Und ehrlich, so ganz falsch liegt er damit wohl kaum.

Bei einer Wahlkampfveranstaltung des Grünen-Politikers Cem Özdemir wurde Ende Januar in Metzingen ein potenziell gefährlicher Brandanschlag entdeckt und verhindert. Eine mit brennbarem Material gefüllte Plastikröhre, „Docht“ genannt, wurde zufällig bemerkt und rechtzeitig gelöscht, bevor Schlimmeres passieren konnte. Ermittlungen wegen versuchter schwerer Brandstiftung, eventuell mit politischem Hintergrund, laufen derzeit; Özdemir selbst sieht im Angriff einen ernsten Angriff auf demokratische Grundwerte und hebt die Bedeutung der offenen Debatte hervor. In den letzten Tagen wurde bundesweit mit Besorgnis über zunehmende Gewalt gegen Politiker diskutiert; insbesondere Politiker der Grünen sowie der SPD berichten vermehrt von Angriffen, Einschüchterungen oder Sachbeschädigungen, was die Debatte über die Sicherheit politisch Engagierter verschärft. Ein echtes Unbehagen macht sich breit, nicht nur bei den Betroffenen, sondern auch in einer Öffentlichkeit, die den Tonfall und die Grenze des Sagbaren, des Zumutbaren, neu absteckt.

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