So ein bisschen klingt es fast nach Abschied mit Wehmut, was Felix Klein da sagt. Im Sommer schließt er das Kapitel seines Amtes als Antisemitismusbeauftragter der Bundesregierung ab und sucht sich ein neues Wirkungsfeld. "Nach bald acht Jahren auf dieser Position (und vier weiteren im Auswärtigen Amt zum Thema Antisemitismus und Holocaust-Erinnerung) wurde es einfach Zeit für einen neuen Lebensabschnitt.", erklärte er gegenüber der FAZ. Bei Diplomaten ist ohnehin alle paar Jahre ein Wechsel vorgesehen – eine Art frische Brise fürs System, wie er lachend meint.
Klein war der erste, der diese Rolle besetzt hat. Er erinnert sich daran, wie es war, Neuland zu betreten, Strukturen zu schaffen und plötzlich mitten im Zentrum politischer Kontroversen zu stehen. "In kaum einem Amt landet man derart auf dem gesellschaftspolitischen Präsentierteller wie in diesem.", sinniert er. Und, ganz ehrlich: Leise still und heimlich kann man das Thema Antisemitismus auch gar nicht angehen – laut werden, streiten, Dinge anschieben, das gehört dazu. Ganz konfliktfrei läuft so etwas nie.
Wer nach ihm kommt? Das ist noch nicht geklärt. Aber das Innenministerium, angeführt von Alexander Dobrindt, kümmere sich persönlich. Für Klein ist klar: Die Nachfolge muss Rückhalt beim Zentralrat der Juden haben, sonst wird das nichts. Und – auch das sagt viel über seinen Pragmatismus –: Er schaut mit Zuversicht auf die Auswahl der künftigen Leitung.
Felix Klein verlässt nach rund acht Jahren den Posten als erster Antisemitismusbeauftragter der Bundesregierung. In seiner Amtszeit hat er maßgeblich dazu beigetragen, das Thema Antisemitismus verstärkt ins öffentliche Bewusstsein zu rücken und war häufig in unterschiedliche Ressorts und gesellschaftliche Debatten eingebunden. Besonders in den letzten Jahren hat das Amt stark an Bedeutung gewonnen: 2023 wurden laut Bundesinnenministerium so viele antisemitische Straftaten wie nie zuvor registriert, nicht zuletzt im Zusammenhang mit dem Gaza-Krieg. Klein wurde auch wegen seiner klaren Worte gegen institutionellen und alltäglichen Judenhass gelobt, hat aber ebenso Kritiker auf den Plan gerufen – sowohl bei Sicherheitsbehörden als auch in Teilen der Zivilgesellschaft. Wer ab Sommer 2024 die Nachfolge von Klein antritt, ist noch offen, allerdings wird laut Medienberichten hoher Wert auf Kontinuität und Akzeptanz durch jüdische Organisationen gelegt. International steht Deutschland inzwischen – nicht zuletzt dank Kleins Einsatz – als Vorbild für die Antisemitismusbekämpfung da, kämpft aber weiterhin mit stetig wachsenden Herausforderungen in diesem Bereich.