Gefühlt dreht sich die medizinische Forschung häufig nur um die Hälfte der Menschheit – und zwar um die männliche. ‚Wir stehen, besonders wenn es um hormonelle und molekulare Zusammenhänge geht, mitunter noch in grauer Vorzeit‘, kritisiert DGIM-Präsidentin Dagmar Führer-Sakel gegenüber der Rheinischen Post. Trotz jahrelanger Bemühungen werden Studien immer noch viel zu oft hauptsächlich mit Männern durchgeführt – mit der unangenehmen Folge, dass die Ergebnisse dann, mehr oder weniger gedankenlos, auf Frauen übertragen werden. Wer ehrlich ist, muss eingestehen: Es fehlt schlicht an solider, geschlechtssensibler Datenbasis.
Ja, die Politik signalisiert Willen: Forschungsministerin Bär und Gesundheitsministerin Warken betonen, dass Frauengesundheit gefördert werden soll. Nur wie – das steht weiter in den Sternen. Also bleibt zu hoffen, dass den öffentlichen Ankündigungen bald konkrete Maßnahmen folgen. Jedenfalls drängt die Zeit, wenn wir nicht riskieren wollen, dass die Medizin weiter auf einem Auge blind bleibt.
Viele zentralen Fragen der Frauengesundheit sind wissenschaftlich nach wie vor unterbelichtet. Das liegt vor allem daran, dass Probandinnen in Studien nach wie vor unterrepräsentiert sind, obwohl zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Frauen oft anders verlaufen oder sich Medikamente unterschiedlich auswirken. Laut einer Sonderauswertung des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung erhalten Forschungsprojekte, die sich speziell Frauen widmen, weiterhin nur einen Bruchteil der Fördergelder. Aktuelle Medienberichte zeigen: Die Bundesregierung plant zwar eine nationale Strategie zur geschlechtersensiblen Medizin, doch bislang fehlen klare Ziele und ein verbindlicher Zeitplan. Währenddessen wächst der Druck von Ärzt:innen, Betroffenenverbänden und Forschenden – endlich weg vom Einheitsblick, hin zu Studien, die die realen Lebenswirklichkeiten von Frauen berücksichtigen.