Ein Sonntagabend in Leipzig, wie man ihn in der Bundesliga liebt: Von Beginn an war sichtlich Feuer im Spiel. Die Gastgeber starteten mit viel Druck, drängten die Wolfsburger immer wieder tief in deren eigene Hälfte. Schon in der 19. Minute wagte sich Harder mit einem akrobatischen Rückzieher aufs Tor vor – doch es blieb beim Versuch. Kurz vor der Pause folgte ein hektischer Moment, als Gruda nach vorne flitzte und eine scharfe Flanke in den Fünfer brachte – aber Kumbedi hechtete dazwischen und verhinderte das 1:0. In diesen Phasen war RB dem Führungstor eigentlich näher als Wolfsburg. Gar nicht zu unterschätzen: Wolfsburgs Torhüter Grabara schien irgendwie überall zur selben Zeit zu sein, wie ein besonders agiler Schatten. Den beinahe unhaltbaren Abschluss von Gruda in der 41. Minute fischte er mit einer Mischung aus Können, Glück und, ja, etwas Instinkt raus.
Nach der Pause wurde die Partie fast auf den Kopf gestellt – eigentlich aus dem Nichts fiel in der 52. Minute das 0:1: Amoura traf nach Traumzuspiel von Daghim sehenswert in den Winkel. Leipzig schüttelte sich kurz, zeigte dann aber Kampfgeist: Gruda lauerte in der Spitze, zwang Grabara zu einem folgenschweren Fehler und Diomande nutzte das Missgeschick eiskalt zum Ausgleich (70.). Irgendwie hatte die Partie jetzt einen offenen Schlagabtausch, jede Aktion schien spielentscheidend werden zu können. Wolfsburg erwiderte postwendend: Svanberg krönte einen der seltenen Wolfsburger Angriffe routiniert mit dem 1:2 (78.).
Wer dann aber dachte, Leipzig sei erledigt, wurde eines Besseren belehrt. In der 89. Minute segelte der Ball nach einem starken Solo von Gruda zum 2:2-Ausgleich ins Netz – ein kunstvoller Schlenzer, einer dieser Bälle, die den Fußball geradezu poetisch machen. Leipzig versuchte noch einmal alles, Rômulos Kopfball segelte aber knapp über das Gehäuse. So blieb es beim letztlich gerechten 2:2 zwischen zwei Teams, die beide Moral bewiesen und an diesem Spieltag ein echtes Wechselbad der Gefühle durchliefen.
Was bleibt hängen? Leipzig hätte für die furiose Anfangsphase mehr verdient gehabt, Wolfsburg zeigte enorme Widerstandskraft im Abstiegskampf. Und irgendwo spürt man: Solche Spiele, chaotisch und elektrisierend zugleich, erinnern einen daran, warum Fußball mehr ist als bloß Zahlen und Taktik – ein Drama in 90 Minuten, mit offenem Ausgang.
Das 2:2 zwischen Leipzig und Wolfsburg war ein Spiegelbild der aktuellen Bundesliga – Spannung bis zur letzten Sekunde und viel Mentalität auf beiden Seiten. Bemerkenswert bleibt vor allem die Leistungssteigerung von Wolfsburg nach der Pause, die gegen offensiv starke Leipziger nie aufgaben. In der Tabelle hilft der Punktgewinn Leipzig, sich oben festzusetzen, während Wolfsburg zumindest etwas Abstand zu den Abstiegsrängen gewinnt. In jüngsten Berichten hebt die "Süddeutsche Zeitung" die beeindruckende Nervenstärke von RB Leipzig in hektischen Schlussphasen hervor, während der "Spiegel" die kritische Defensive der Wölfe beleuchtet, die trotz Punktgewinn weiterhin Sorgen im Abstiegskampf haben. Laut "FAZ" sei Leipzigs Kaderbreite weiterhin ein großer Vorteil im Vergleich zur Konkurrenz, auch wenn individuelle Fehler diesen Vorteil zuletzt regelmäßig schmälerten. Hinzu kommt, dass es immer wieder auf einzelne Lichtblitze wie Grudas Traumtor ankommt, die letztlich den Unterschied zwischen Niederlage und Punktgewinn bedeuten können.