Judit Polgár: Mehr Mut für Mädchen im Schach gefordert

Schachlegende Judit Polgár wünscht sich, dass eine neue Netflix-Doku um ihre Laufbahn junge Mädchen ermutigt, ihren eigenen Weg auf den Schachbrettern der Welt zu gehen.

heute 16:51 Uhr | 5 mal gelesen

„Ich wünsche mir, dass mehr Mädchen das Schachspielen für sich entdecken und sich trauen, von Großem zu träumen – und diesen Traum auch mutig verfolgen“, erklärte Judit Polgár jüngst gegenüber dem Spiegel. Oft fehle Mädchen noch die gezielte Förderung, findet sie: Eltern und Trainer sollten laut Polgár mehr daran glauben, dass Mädchen es an die Spitze schaffen können. Schach sei schließlich ein Spiel für alle, nicht nur für Jungs. Das Bild einer männlich dominierten Schachwelt wird aktuell in der Netflix-Dokumentation „Die Königin des Schachs“ aufgegriffen, die seit 6. Februar online verfügbar ist und Polgárs Aufstieg von einem Ausnahmetalent zum Vorbild für viele erzählt. Die Filmemacher zeigen eindrücklich, wie Polgár die männerlastigen Strukturen durchbrach und Garri Kasparow – damals Schachweltmeister – bezwang. Judit Polgár selbst war lange die einzige Frau unter den besten zehn Spielern weltweit, sie nahm sogar an offenen Kandidatenturnieren zur Weltmeisterschaft teil. Heutzutage fehlt eine Frau in den Top 100 der Weltrangliste – ein Trend, der Polgár kritisch stimmt. Besonderen Diskussionsbedarf sieht sie bei speziellen Frauentiteln wie „Großmeisterin“: Ihrer Meinung nach vermitteln diese Auszeichnungen ein zu niedriges Anspruchsniveau. „Warum geben wir Mädchen einen leichteren Weg vor – das macht es ihnen nicht leichter, sondern bremst sie“, so Polgár. Ein absurdes Beispiel, findet sie: In der Schule gäbe es schließlich auch keine getrennten Noten für Mädchen und Jungen.

Judit Polgár, unbestritten das Gesicht des Frauenschachs, kämpft weiter dafür, Strukturen zu verändern, die Mädchen und Frauen in ihrer Entwicklung hemmen könnten. Inspiriert von der Netflix-Dokumentation, will sie Eltern und Trainer ermutigen, weiblichen Nachwuchs im Schach stärker zu unterstützen und fordert ein Ende der teils abwertend empfundenen Sondertitel für Frauen. Jüngste Medienberichte vertiefen die Debatte um Gleichberechtigung im Schach: Während Polgár für höhere Ansprüche und gleiche Bewertung plädiert, betonen andere Stimmen auch die sozialen und systemischen Hürden, die Mädchen davon abhalten, auf Weltklasseniveau zu spielen – darunter fehlen Vorbilder, zu geringe Fördermaßnahmen oder fehlende gesellschaftliche Akzeptanz. Erst kürzlich bekräftigte Polgár in mehreren Interviews ihren Wunsch, dass die globale Schachgemeinschaft mehr Engagement zeigt, wenn es um die Förderung weiblicher Talente geht.

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