Siemens Energy verliert Auftrag beim AKW-Projekt Paks II – Rosatom beendet Kooperation

Siemens Energy wird beim Neubau des ungarischen Atomkraftwerks Paks II künftig keine Technik mehr liefern. Der russische Rosatom-Konzern hat den Vertrag mit dem deutschen Unternehmen vorzeitig aufgekündigt.

heute 13:31 Uhr | 3 mal gelesen

Mal wieder ein Rückschlag für Siemens Energy: Wie jetzt öffentlich wurde, hat Rosatom – der russische Nuklearriese und Hauptauftragnehmer des Atomkraftwerks Paks II in Ungarn – seinen Liefervertrag mit dem deutschen Energiekonzern beendet. Das bestätigten beide Seiten dem Magazin Politico. Rosatom begründet den Bruch trocken damit, dass Siemens Energy angeblich seinen Verpflichtungen nicht nachgekommen sei; Details dazu gibt es allerdings keine. Ursprünglich sollte Siemens Energy gemeinsam mit Framatome aus Frankreich die Steuer- und Überwachungstechnik – also den nicht-nuklearen Teil – für zwei neue Reaktorblöcke liefern. Die Verträge waren schon 2019/20 unterzeichnet. Der Siemens-Sprecher betont, die Kündigung sei nicht wegen Sanktionen erfolgt, sondern: Der Kunde sei schlicht nicht mehr interessiert gewesen, als die Leistungen möglich gewesen wären. Damit bleibt Siemens Energy raus – und Rosatom sucht schon fleißig eine Alternative. Laut russischem Unternehmen waren die Siemens-Lieferungen nur ein kleiner Teil des Gesamtauftrags, keine vier Prozent. Rosatom meint, dafür fänden sich russische oder europäische Ersatzlösungen problemlos. Namen werden aber (noch) keine genannt.

Die Auflösung des Liefervertrags zwischen Rosatom und Siemens Energy für das Atomkraftwerk Paks II in Ungarn markiert einen bemerkenswerten Einschnitt im Projekt: Ursprünglich als Schlüsselpartner für die Steuerungstechnik eingeplant, verliert Siemens Energy aufgrund ungeklärter Differenzen und trotz der Aussage, dass keine sanktionsrechtlichen Hürden vorlagen, seinen Einfluss auf das Großprojekt. Während Rosatom betont, der Verlust sei vernachlässigbar – angeblich seien weniger als vier Prozent der Ausrüstung betroffen –, steht nun die Suche nach neuen Zulieferern im Raum, wobei auch europäische Anbieter in Frage kommen können. In aktuellen Medien wird darauf verwiesen, wie politisch und wirtschaftlich aufgeladen die Zusammenarbeit mit Russland insbesondere im Nuklearsektor ist; noch ist offen, wie sich dies auf die ungarische Energiepolitik und die Sicherheit der Versorgung auswirkt, zumal auch Ungarn als EU-Mitglied einen schwierigen Spagat vollzieht. Inzwischen berichten mehrere Nachrichtenquellen, dass Rosatom auch wegen allgemeiner geopolitischer Unsicherheiten und schärferer Kontrollen international nach Ersatz für europäische Technologie sucht. Die EU-Kommission beobachtet das Projekt weiterhin kritisch, da Paks II unter besonderer Beobachtung hinsichtlich Abhängigkeiten von russischer Technik und politischer Einflussnahme steht.

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