Ex-Wirtschaftsweiser Schmidt gegen Minijob-Status quo: Eine Reform steht an

Christoph Schmidt, ehemaliger Chef der Wirtschaftsweisen und Leiter des RWI-Leibniz-Instituts, plädiert für einen radikalen Kurswechsel bei Minijobs. Sie verursachen laut ihm erhebliche Fehlanreize, die das Arbeitsleben in Deutschland eher bremsen als beflügeln.

heute 07:00 Uhr | 3 mal gelesen

Minijobs – dieses Wort klingt harmlos, fast als gingen sie im Alltag unter. Doch Christoph Schmidt sieht das ganz anders. Er betont: Minijobs seien aus ordnungspolitischer Sicht ein Problem, weil sie durch Steuer- und Sozialabgabenprivilegien zu falschem Verhalten verleiteten. Vor allem Zweitverdienende, etwa Partnerinnen und Partner in einem Haushalt, schauen mitunter in die Röhre, denn statt zu mehr regulärer Arbeit führe das Modell in eine Sackgasse aus Nebenjobs. Schmidt geht noch weiter: Es sei an der Zeit, dass der Staat aufhöre, bestimmte Arbeitsmodelle künstlich zu begünstigen. Seiner Ansicht nach – ausgedrückt in fast verschnupfter Klarheit – wäre es sinnvoller, Minijobs ganz abzuschaffen oder höchstens noch Studierenden, Schüler:innen und Pensionären zu gestatten. Besonders spannend: Die CDA innerhalb der CDU will, dass Minijobs künftig in reguläre Jobs überführt werden sollen. Eine Forderung, die man vor ein paar Jahren für abwegig gehalten hätte. Tja – manches ändert sich eben doch.

Schmidt positioniert sich entschieden gegen die aktuelle Form von Minijobs, da sie seiner Meinung nach mehr schaden als nutzen, insbesondere für Menschen, die eigentlich in reguläre Arbeitsverhältnisse drängen sollten. Er schlägt vor, Minijobs auf bestimmte Gruppen wie Studierende und Rentner zu beschränken oder sie ganz aufzugeben. Sein Vorstoß findet Resonanz bei der CDA der CDU, die ebenfalls eine stärkere Integration von Minijobbenden in reguläre Arbeitsverhältnisse fordert und darin einen Hebel gegen Ungleichheiten am Arbeitsmarkt sieht. In den letzten 48 Stunden wurde das Thema der Arbeitsmarktpolitik und Minijobs in verschiedenen Medien ebenfalls diskutiert: Viele Fachleute weisen darauf hin, dass Niedriglohnjobs und Minijobs oft zur Altersarmut beitragen und eine echte Integration in den Arbeitsmarkt erschweren. Zusätzlich wächst der Druck auf die Politik, einheitliche und fairere Arbeitsbedingungen zu schaffen, um prekären Beschäftigungen entgegenzutreten. Einige Stimmen aus der Wirtschaft argumentieren jedoch, dass Flexibilität in kleinen Beschäftigungsverhältnissen auch Chancen für marginalisierte Gruppen bieten kann.

Schlagwort aus diesem Artikel