Genau genommen war das Treffen in Mutterstadt kein Kaffeeklatsch, sondern eher der verzweifelte Versuch, die Kluft zwischen politischem Anspruch und bäuerlicher Wirklichkeit zu überbrücken. Eigentlich – man denkt fast, das müsste längst selbstverständlich sein – brauchen Bäuerinnen und Bauern funktionierende, zeitgemäße Pflanzenschutzmittel, um überhaupt mithalten zu können. Fragt man in die Praxis, wird schnell klar: Der Werkzeugkasten ist löchrig, die Risiken steigen. Bei der Veranstaltung, an der Verantwortliche aus Agrarbranche und Politik beteiligt waren, zeigte sich die ganze Ernüchterung, die inzwischen viele Landwirte umtreibt. Ertragsverluste, Qualitätsabstriche, größere Unsicherheit bei der Versorgung – das alles ist für viele Betriebe keine Zukunftsmusik, sondern bereits bittere Realität. Klar, dass die Gesprächsrunde auch mal hakte: Während Johannes Steiniger (CDU) für mehr wissenschaftsbasierten, risiko-orientierten Fortschritt trommelte, argumentierte Isabel Mackensen-Geis (SPD), es gehe beim Pflanzenschutz um mehr als nur Chemie – Fruchtfolgen, resistente Sorten, bodenschonende Verfahren. Und doch: Die Hürden für neue Wirkstoffe sind hoch, die Verfahren schleppen sich dahin. Paul Bunjes von den Grünen plädierte dafür, alte Wirkstoffe nur auslaufen zu lassen, wenn auch echte Alternativen existieren. Marco Weber (FDP) machte schließlich deutlich, wie sehr Notfallzulassungen zum Symbol einer verkrusteten Praxis geworden sind. In den Worten der Praktiker – ob vom Bauernhof, Handel, Vermarktung oder Industrie – werden die Folgen spürbar: Mehr Arbeit für weniger Ertrag, Ungewissheit, steigende Kosten. Und während Kundinnen und Kunden makellose Äpfel im Regal wollen, kann der steigende Druck auf heimische Betriebe kaum in Euro und Cent bemessen werden. Die Gefahr: Wer zu spät reagiert, verliert den Anschluss – an die Versorgungssicherheit und an faire Wettbewerbsbedingungen. Das Fazit der Runde war, nur allzu menschlich: Es fehlen nicht Wille oder Ideen, sondern passende, verlässlich verfügbare Lösungen, hinter deren Fehlen längst echte Existenzen stehen.
Die Podiumsdiskussion in Mutterstadt machte deutlich, wie sehr bürokratische Hürden und der Mangel an innovativen Pflanzenschutzmitteln die regionale Landwirtschaft beeinträchtigen. Während die Politik das Problem anerkennt, lähmen komplizierte und langwierige Zulassungsverfahren nach wie vor den Zugang zu neuen Lösungen. Es gibt echten Konsens darüber, dass nachhaltige Verfahren und weniger Chemie der Weg sind, aber solange die Umstellung nicht durch praktikable Alternativen gestützt wird, werden heimische Erzeuger wirtschaftlich unter Druck geraten. Aktuelle Berichte (u.a. FAZ, Zeit, taz) bestätigen, dass die deutsche Landwirtschaft weiter unter Preis- und Wettbewerbsdruck steht, unterdessen kommt die Reform der EU-Pflanzenschutzpolitik nur schleppend voran. Inzwischen nimmt auch der Zeitverzug bei der Zulassung digitaler und biologischer Innovationen zu, während Landwirte von Jahr zu Jahr mehr Schadensereignisse bei Ernte und Qualität beklagen. Besonders heikel: Der anhaltende Importdruck aus Drittländern mit weniger restriktiven Regulierungen verschärft die Existenzsorgen vieler Betriebe.