Sandra Hüller sorgt sich um Kunstfreiheit auf der Berlinale

Schauspielerin Sandra Hüller äußert Zweifel an der Unabhängigkeit und Offenheit der Berlinale und plädiert für künstlerische Freiheit.

heute 18:02 Uhr | 3 mal gelesen

Sandra Hüller, frischgebackene Preisträgerin des Silbernen Bären, ist derzeit mehr als skeptisch, wenn es um die künftige Entwicklung der Berlinale geht. Im Gespräch mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland bringt sie ihre Sorge zum Ausdruck, dass politische Einflüsse, etwa durch verschärfte Regeln oder moralisierende Kodizes, das Filmfestival irgendwann tatsächlich zensieren könnten. "Katastrophal" wäre das, betont sie – ein Festival, so lebendig und bunt, wie die Berlinale eines bislang ist, würde dann nicht mehr existieren. Während in den letzten Wochen viele Kulturschaffende der Berlinale mangelnde Haltung im Gaza-Krieg vorwarfen, verteidigte Festivalleitung Tricia Tuttle die Offenheit der Veranstaltung – sie habe niemals Filmemacher eingeschüchtert oder mundtot gemacht. Hüller sieht trotz allem Handlungsbedarf: Kultur, so ihre Hoffnung, soll ein bisschen anarchisch und wild bleiben dürfen. Nebenbei verriet Hüller noch, dass sie bald neben Ryan Gosling im Science-Fiction-Film "Der Astronaut - Project Hail Mary" zu sehen sein wird. Mit Ryan Gosling sei das Arbeiten erstaunlich unkompliziert gewesen; an ihm fasziniere sie besonders, wie sehr er sich auf improvisierte Szenen einlassen könne. Da spule keiner einen Text ab: Für Hüller ein echtes Kollegialitäts-Highlight.

Sandra Hüllers Bedenken spiegeln eine Debatte wider, die derzeit viele Filmfestivals beschäftigt: Wie viel politische Einflussnahme verträgt die Kunst und wo beginnt die Einschränkung der Freiheit? Ihre Kritik ist auch vor dem Hintergrund aktueller Proteste gegen die Berlinale relevant, bei denen zahlreiche Künstler eine klarere Haltung gegenüber dem Israel-Gaza-Konflikt fordern. Zusätzlich ist zu beobachten, dass nicht nur die Berlinale, sondern internationale Festivals zunehmend zur Projektionsfläche gesellschaftspolitischer Spannungen werden, wobei die Balance zwischen künstlerischer Entfaltung und gesellschaftlicher Verantwortung immer schwieriger zu halten scheint. Ergänzend: Laut aktuellen Recherchen werden in Deutschland weiterhin Debatten über die Rolle und Verantwortung von Kunstinstitutionen geführt. Die Berlinale etwa verteidigte öffentlich ihre Neutralität und den offenen Diskurs, was ein Statement aus ihrem Organisationskreis am Dienstag unterstrich. Der Bundestag diskutiert parallel über den Eingriff politischer Akteure in kulturelle Events. Viele Stimmen aus der Kulturszene sehen den Wert darin, heikle Themen nicht auszusparen, fürchten jedoch einen drohenden Verlust der Gestaltungsfreiheit unter politischem Druck. Auch ein Blick auf internationale Festivals zeigt: Zensurvorwürfe und Boykottaufrufe nehmen ebenso in Cannes oder Venedig zu, getrieben von sich verschärfenden gesellschaftlichen Gegensätzen.

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