Weniger als jede zweite arbeitende Person kennt IT-Regeln am Arbeitsplatz

Der digitale Sturm auf deutsche Unternehmen nimmt drastisch zu: Cyberangriffe sind längst keine Randnotiz mehr, sondern tiefgreifende Bedrohungen – und die eigenen Angestellten sind oft uninformiert oder überfordert. Neben Datenklau und Sabotage durch Kriminelle und Staaten tickt eine weitere, unsichtbare Zeitbombe: Unsicherheit über Prozesse und Meldewege im Notfall.

heute 13:33 Uhr | 3 mal gelesen

Schon interessant, wie groß die Lücke zwischen Selbst- und Fremdbild manchmal sein kann. Gerade flattert Randstads aktuelle Arbeitsumfrage auf den Tisch – und siehe da: Gerade einmal 44 Prozent der deutschen Beschäftigten trauen sich zu, die eigenen IT-Sicherheitsvorschriften wirklich zu kennen oder zu wissen, wie bei digitalen Angriffen der Notknopf aussieht. Wäre ja alles halb so wild, wenn nicht drei Viertel der Chefs genau das Gegenteil annehmen würden. Selbsttäuschung 1, Sicherheitslücke 0. Das ist nicht nur eine statistische Randnotiz, sondern ein echter Risikofaktor – und das in Zeiten, in denen Angriffe im Netz so raffiniert wie nie daherkommen. Firmenverantwortliche müssen sich klarmachen: Sicherheit in Bits und Bytes ist nie abgeschlossen, Mitarbeitende gehören regelmäßig aufs Neue geschult und sensibilisiert. Immerhin: Die Offenheit gegenüber Weiterbildung ist da. 22 Prozent der Arbeitnehmer sehen IT und Digitalisierung, 18 Prozent explizit das Thema Cybersicherheit unter ihren Top-3-Wünschen für persönliche Entwicklung. Noch begehrter sind nur Angebote rund um Künstliche Intelligenz und Gesundheit. Eigentlich ein Wink mit dem Zaunpfahl an all jene, die in Sachen Security noch auf ständige Wiederholungen setzen. Wer jetzt keine Lernmöglichkeiten bietet, lässt eine willige Belegschaft ziehen. Global betrachtet ist das Thema ein Dauerbrenner. Besonders gefragt: Profis mit mehr als zehn Jahren Erfahrung in Sachen Cybersicherheit – Stellen für diese Spezialisten sind in den ersten 18 Monaten bis Mitte 2025 weltweit um gut 21 Prozent gestiegen. Deutlich: Unternehmen sind bereit zu investieren, nicht nur in Personal, sondern auch in bereichsübergreifende Trainings. Denn ein Sicherheitssystem, das nur für die IT-Abteilung verständlich ist, bringt keinem Unternehmen was. Die erwähnte Randstad-Studie – mal am Rande: Erfasst wurden über 11.000 Erwerbstätige in 15 Ländern, darunter in Deutschland verschiedene Altersgruppen, mit Fokus auf die Gen Z. Das Randstad Arbeitsbarometer wiederum ist eine Institution für Analysen im Arbeitsmarkt, befragt weltweit Zehntausende Angestellte und Arbeitgeber, um Strömungen und neue Problemfelder auszuloten. Randstad selbst? Ein alter Hase am Markt, inzwischen in fast 40 Ländern vertreten und in Deutschland mit mehr als 28.000 Leuten aktiv. Doch trotz all der Expertise und Marktmacht offenbart gerade die aktuelle Debatte: Der Mensch bleibt das schwächste – aber auch das entwicklungsfähigste – Glied in der Sicherheitskette.

Immer öfter geraten Unternehmen in den Fokus raffinierter Cyberangriffe – gleichzeitig fehlt es vielen Beschäftigten an Übersicht über notwendige Sicherheitsregeln und Meldeverfahren. Während 78 Prozent der Arbeitgeber ihren Teams umfassende IT-Kenntnisse zutrauen, können in Wahrheit nur 44 Prozent der Befragten in einer aktuellen Studie von Randstad entsprechende Vorschriften sicher wiedergeben oder riskantes Verhalten melden. Die Nachfrage nach Cybersecurity-Weiterbildungen wächst rasant, das Interesse an Technologie- und KI-Themen treibt viele Arbeitnehmende an; gleichzeitig steigt der Bedarf an Spezialistinnen und Spezialisten mit langjähriger Erfahrung, wie aktuelle Stellenauswertungen zeigen. – Neue Zahlen aus der T3N-Redaktion belegen, dass in den vergangenen Monaten gezielte Phishing-Angriffe in Deutschland erneut zugenommen haben und insbesondere kleinere Unternehmen oft unzureichend geschützt sind. Laut einer aktuellen SZ-Meldung richteten zuletzt Ransomware-Angriffe massive Schäden an, da Mitarbeitende oftmals ahnungslos auf gefälschte Mails reagieren. Ergänzende Analysen der FAZ betonen außerdem, dass die psychologische Komponente – Unsicherheit, Überforderung, aber auch Sorglosigkeit – ein ebenso großes Risiko für die digitale Sicherheit birgt, wie technische Schwachstellen.

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