IW empfiehlt EU engere Wirtschaftspartnerschaft mit Golfstaaten

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) empfiehlt der EU, den Austausch mit den Golfstaaten zu intensivieren – auch im Schatten der Nahostkonflikte.

heute 13:02 Uhr | 2 mal gelesen

Interessant: Während Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Co. ihre Handelsrouten breiter streuen, droht die Europäische Union allmählich den Anschluss zu verlieren. Vor zwanzig Jahren kamen noch über ein Viertel aller Golfimporte aus der EU, inzwischen ist dieser Anteil auf 18 Prozent geschrumpft. Das ist kein Einzelfall, eher ein Trend, der laut der neuen IW-Studie, aus der der 'Spiegel' zitiert, zu denken gibt. Autor Simon Gerards Iglesias verweist darauf, dass – angesichts des andauernden Nahostkonflikts – mittelfristig hohe Investitionen notwendig würden, um die Energie-Infrastruktur der Golfregion wiederaufzubauen. Davon könnten unter anderem deutsche Maschinenbauer profitieren, sofern die EU endlich über den Schatten springt und ein Handelsabkommen mit den Golfstaaten eintütet. In den vergangenen Jahren führte Deutschlands Exportliste vor allem Autos, Pharmazeutika und Maschinen an. Künftig könnte der Fokus stärker auf nachhaltigen Gütern liegen: Etwa aus grünem Stahl oder Wasserstoff, der günstiger produziert werden könnte, als wenn man alles im Alleingang in Deutschland herstellen würde. Das klingt ein bisschen nach Zukunftsmusik, aber vielleicht lohnt sich gerade jetzt ein mutiger Schritt in Richtung Kooperation.

Die IW-Studie mahnt eindringlich, dass die EU in den geltenden globalen Umbrüchen Gefahr läuft, ihren strategischen Vorsprung gegenüber den Golfstaaten zu verlieren – besonders weil andere Handelsmächte wie China und Indien ihren Einfluss in der Region spürbar ausbauen. Parallel dazu wächst das Interesse der Golfstaaten an nachhaltigen Industrien und grüner Energie, was neue Chancen auch für deutsche Technologieanbieter eröffnen könnte, sofern politische Weichenstellungen wie ein EU-weites Handelsabkommen umgesetzt werden. Aktuell werden Überlegungen zu Partnerschaften beim Wasserstoffimport und bei nachhaltigen Lieferketten in Brüssel und Berlin immer lauter, doch handfeste Vereinbarungen lassen bisher auf sich warten. Zusätzlich wurde in mehreren aktuellen Medien berichtet, dass das Handelsdefizit Europas mit den Golfstaaten wächst, während beispielsweise China im großen Stil in die Infrastruktur der Region investiert.

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