St. Pauli schreibt Bundesliga-Geschichte: Erster Tarifabschluss im Fußball-Oberhaus

Premiere im Profifußball: Der FC St. Pauli hat als Vorreiter einen Haustarifvertrag ausgehandelt – ein Novum in der Bundesliga. Das gaben Club und die Gewerkschaft Verdi gemeinsam am Donnerstag publik.

heute 13:00 Uhr | 5 mal gelesen

Der neue Tarifvertrag gilt für sämtliche Angestellte des Vereins sowie dessen Tochterfirmen in den Bereichen Marketing und Merchandising – mit einer wichtigen Ausnahme: Sowohl Führungskräfte als auch Mitarbeitende rund um den Profi-Kader, das Nachwuchszentrum und eSports sind nicht eingeschlossen. Der Vertrag schafft zum allerersten Mal einheitliche Lohnklassen und Gehaltsrahmen, mit klaren Regeln für Arbeitsbedingungen und Sozialleistungen. Erst einmal läuft die Vereinbarung bis Ende Juni 2028 und startet rückwirkend ab Sommer 2025. Die Idee für diesen Schritt entsprang ursprünglich einem Mitgliedsantrag 2021 – nach ausgedehnten Verhandlungen mit Vereinsverantwortlichen, der HR-Abteilung und der Verdi-Tarifgruppe wurde am 6. Mai 2026 unterschrieben. Wer schon bei Verdi ist, profitiert automatisch; der Rest kann individuell beitreten. Überraschend pragmatisch, aber irgendwie typisch St. Pauli, finde ich.

Mit dieser Tarifvereinbarung betritt St. Pauli sportgesellschaftliches Neuland in der deutschen Fußballwelt und setzt ein Signal für fairere Arbeitsbedingungen auch jenseits des Rasens. Gerade in einer Branche, in der Professionalität oft heißt, dass sich alles nur um die Spieler dreht, ist das bemerkenswert. Laut aktuellen Berichten in anderen Medien wurde die Initiative als Zeichen für mehr soziale Verantwortung im Profisport gewertet – gerade in Hinblick auf die wachsende Kommerzialisierung, die teils zu prekären Arbeitsverhältnissen am Spielfeldrand geführt hat. Zusätzlich berichtet beispielsweise die Süddeutsche Zeitung von der Zustimmung zahlreicher Faninitiativen und kleinen Vereinen, die hoffen, dass andere Clubs nachziehen. Das Hamburger Abendblatt hebt hervor, dass tarifgebundene Beschäftigungsverhältnisse bislang im Profifußball die Ausnahme sind – St. Pauli könnte also tatsächlich für andere Sportvereine eine gewisse Blaupause liefern. Interessant: Die Umstellung auf Tariflohn könnte nach Ansicht von Arbeitsrechtlern mittelfristig zu einem zufriedeneren Personal und geringeren Fluktuationen führen, auch wenn der Verein anfangs höhere Ausgaben stemmen muss. Fazit: Ein mutiger Schritt, der in der Branche wohl für Gesprächsstoff sorgen wird.

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