Deutschlands Industrie: Vom Potenzial zur Transformation – was jetzt fehlt

Viel Potenzial, viele Hürden: Deutschlands Industrie steht vor der Aufgabe, ihre Stärken klüger zu nutzen – Politik und Rahmenbedingungen bleiben der Unsicherheitsfaktor.

heute 11:48 Uhr | 1 mal gelesen

Das Ifo-Institut hat für die Bertelsmann-Stiftung genauer hingeschaut – und Überraschung: Ein Großteil der Industrie hierzulande ist gar nicht so rückständig, wie es oft dargestellt wird. Oliver Falck, Chef des Zentrums für Innovationsökonomik beim Ifo, bringt es auf den Punkt: Fast alle Akteure wissen, wohin die Reise geht, aber auf dem Weg dorthin gibt es noch einige Schlaglöcher – und die, so Falck, entstehen oft in der Politik. Spannend ist vor allem der Blick auf die so genannte Growth-Share-Matrix: 76 Prozent der Wertschöpfung stammen aus Bereichen, die offenbar auf Wachstum setzen, statt irgendwann auszubluten. Insbesondere Pharma und IT zeigen, was möglich ist, wenn Innovation und Marktchancen zusammenspielen. Aber, kleiner Perspektivwechsel: Sogar klassische Mittelstandsbranchen wie Maschinenbau oder Chemie haben sich ein Stück weit neu erfunden – irgendwie tröstlich. Nicht alles glänzt: Die Autobranche etwa hat mit alten Verbrennern zu kämpfen, sieht sich aber parallel mit Elektroautos und Co. neu aufgestellt. Was die Forscher anmahnen, klingt wie ein altbekannter Refrain: Bloß keinen Strukturkonservatismus! Stattdessen mehr Disruption wagen – auch wenn das manchen schwerfällt. Was es dafür braucht? Mehr Mut zu risikoreichen Investitionen, eine steuerliche Entlastung für den Wandel und mehr Flexibilität beim Arbeiten. Klingt einfach, ist aber in der Wirklichkeit, naja, selten so leicht umzusetzen wie in einer Studie. Aber immerhin zeigt die Untersuchung: Potenzial wäre genug da – nur ob wir es heben, steht auf einem anderen Blatt.

Deutschland steht aktuell an einer wirtschaftspolitischen Kreuzung: Die Industrie zeigt, etwa laut Bertelsmann und Ifo, sehr wohl Wandlungsbereitschaft – vor allem in Bereichen wie IT oder Pharma. Doch während technologische Vorreiter durchstarten, kämpfen klassische Sektoren, z.B. die Automobilbranche, mit überholten Strukturen. Hinzu kommen aktuelle Herausforderungen wie globale Lieferkettenstörungen, geopolitische Unsicherheiten und der massive Wandel durch künstliche Intelligenz – der Druck zu schnellen, radikalen Innovationen steigt also noch weiter. Eine sofortige Umsetzung aller Innovationsvorschläge erscheint angesichts bürokratischer Hürden und politischer Blockaden eher utopisch – die geforderte Flexibilisierung vom Arbeitsmarkt bis hin zu Investitionsanreizen trifft auf Beharrungskräfte in Politik und Verwaltung. Zudem verschärfen Faktoren wie der internationale Wettbewerb, technologische Souveränität (insbesondere bei Halbleitern und KI) und die weiterhin schleppende Digitalisierung den Handlungsdruck. Fakt bleibt: Obwohl die deutschen Unternehmen teils schon auf Zukunftsmärkte setzen, braucht es nachhaltigere, politische Rahmensetzungen, um diese Potenziale tatsächlich zu realisieren.

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