Fachkräfte für die digitale Infrastruktur gesucht
Wer an KI denkt, denkt oft an entfallene Bürojobs und kopfschüttelnde Wissensarbeiter:innen. Die Realität aber: KI drängt ihren eigenen Schatten auf den Arbeitsmarkt – allerdings nicht nur als Bedrohung, vielmehr auch als Motor für neue Jobs. Rechenzentren schießen aus dem Boden, Server werden installiert, und plötzlich braucht es immer mehr Hände, die klimatisieren, Strom legen oder komplizierte Maschinen einrichten.
Laut Zahlen des Personaldienstleisters Randstad – der immerhin 50 Millionen Jobanzeigen unter die Lupe genommen hat – ist der Anstieg besonders bei technischen Berufen deutlich: Weltweit verzeichnen Jobs im Bereich Heizung, Lüftung, Klima (HLK) seit Ende 2022 ein Plus von 67 %. In Deutschland zwar etwas gebremst, doch mit 51 % immer noch ein satter Sprung. Richtig rasant ging es mit den Robotik-Fachkräften: Während die globale Nachfrage um 107 % stieg, schossen die Zahlen hierzulande gar um 127 % nach oben. Und auch Elektriker:innen sind verstärkt gefragt – in Deutschland genauso wie im internationalen Durchschnitt.
Bemerkenswert: Insgesamt wachsen die handwerklichen Berufsfelder weltweit um 27 %, das sind 19 Prozentpunkte mehr als die Zunahme bei Büroarbeitsplätzen. "Wer KI will, braucht Köpfe und geschickte Hände, die den Maschinen das Fundament bieten oder Roboter zum Funktionieren bringen", betont Henri Viswat, der Randstad in Deutschland leitet.
Traditionelles Handwerk, neue Anforderungen
Es überrascht kaum, dass klassische Berufe wie Elektriker:in oder Mechatroniker:in plötzlich Know-how in Sachen Digitalisierung mitbringen müssen. Die Baustellen der KI-Infrastruktur fordern nicht mehr den simplen Drahtzieher, sondern Tüftler:innen mit Systemkenntnissen und digitaler Denke. Das fordert auch die Ausbildungsbetriebe, weil Theorie plötzlich wichtiger wird und praxisnahe Digital-Kompetenzen gefragt sind. Vielleicht sind es ja diese Schnittstelle-Jobs, die wieder mehr junge Leute für Handwerksberufe begeistern können?
Ja, es ist nicht alles rosig: Trotz der positiven Entwicklung gibt es im Gesamtbild für Deutschland seit 2022 sogar einen leichten Rückgang bei handwerklichen/technischen Stellen (minus 3,5 %), doch im Vergleich zum rapiden Einbruch bei Bürojobs (minus 19 %) stehen Fachkräfte immer noch solide da. Henri Viswat meint: "Wer das Zeitalter der KI gestalten will, darf nicht vergessen, dass jede Cloud ein Rechenzentrum und jedes smarte System vielfach unter Spannung steht – und das Herzstück davon bleibt menschliche Arbeit."
Zahlen, Analyse, Perspektive
Randstad hat für diese Auswertung weltweit einen Datenberg aus 50 Millionen Job-Offerten aufgetürmt und die Zeitspanne 2022-2026 ins Visier genommen.
Das Unternehmen betreibt aktuell fast 400 Standorte in Deutschland, ist international in 39 Ländern tätig und unterstützt über eine Million Jobsuchende jährlich. CEO in Deutschland ist Henri Viswat. Ursprünglich 1960 in Amsterdam gestartet, bewegt Randstad heute Milliardenumsätze und baut weltweit Brücken zwischen Unternehmen und Fachkräften.
Künstliche Intelligenz verändert die Arbeitswelt – und zwar nicht nur, indem klassische Bürojobs verschwinden, sondern vor allem, indem ein neues Feld für technische und handwerkliche Berufe erschlossen wird. Besonders gefragt sind heute Fachleute, die Infrastrukturen für KI-Systeme schaffen und warten – von HLK- und Robotik-Spezialist:innen bis zu Elektriker:innen, die sich zunehmend mit komplexen digitalen Technologien auskennen müssen. Trotz eines leichten Rückgangs der Gesamtjobzahlen im Handwerk steht dieser Sektor robust da, vor allem verglichen mit dem Einbruch bei traditionellen Bürotätigkeiten; das zeigt, wie sehr menschliches Fachwissen und handwerkliches Geschick auch in Zeiten digitaler Disruption unersetzlich bleiben. Aktuelle Recherchen zeigen, dass sich der Trend europaweit widerspiegelt: Laut einer Analyse der Europäischen Kommission wächst der Bedarf an technischen Fachkräften im Zusammenhang mit dem Ausbau von Rechenzentren und digitaler Infrastruktur Jahr für Jahr, wobei politischer Druck auf neue Ausbildungsmodelle steigt. Zugleich berichten Wirtschaftsmagazine über steigende Investitionen von Tech-Konzernen in Aus- und Weiterbildung, besonders in Bereichen wie Datenzentren-Betrieb oder Mechatronik – oft in enger Abstimmung mit Handwerks- und Industrieverbänden. Und nicht zuletzt signalisieren aktuelle Tarifverhandlungen im Bau- und Energiebereich einen Wandel der Berufsbilder hin zu hybriden Profilen, bei denen klassische Fähigkeiten und digitale Kompetenzen gleichermaßen gewichtet werden.