Was kommt da auf uns zu? Das IW Köln, ein Institut mit Nähe zur Wirtschaft, rechnet laut einer aktuellen Untersuchung mit einem spürbaren Sprung der Inflation auf bis zu 4,6 Prozent zum Jahresende. Im Schnitt über das kommende Jahr hinweg liegt die Prognose bei etwa 3,5 Prozent – kein Vergleich zu 2022, aber doch ein herber Rückschlag für all jene, die gehofft hatten, das Schlimmste sei vorbei. Interessant (oder beunruhigend): Schon im März hatten die Preise mit einer Teuerung von 2,7 Prozent wieder angezogen. Die Ursache scheint ebenfalls wenig überraschend, aber doch alarmierend: Nach wie vor treiben internationale Konflikte – aktuell der Nahe Osten, vorher schon Russlands Ukrainekrieg – die Energiepreise nach oben. Jeder erinnert sich noch mit Schrecken an die Entwicklung in 2022 mit Raten jenseits der Zehn-Prozent-Marke. Die Parallelen zu damals sind da, aber das IW betont Unterschiede: Diesmal ist die eigentliche Inflation eher Folge der aktuellen geopolitischen Spannungen, 2022 kam noch die Pandemiefolgen drauf.
Und dann kommen wieder diese schwierigen Entscheidungen auf die Politik zu: Soll die Europäische Zentralbank wie damals die Zinsen nach oben drehen, in Kauf nehmend, auch das lahme Wachstum weiter zu bremsen? Oder akzeptiert man vorübergehend höhere Preise, damit sich die Wirtschaft zumindest nicht weiter abkühlt? Offiziell gilt, so IW-Experte Markus Demary: Keine der Optionen ist ohne Preis. Besonders ärgerlich: Die jetzigen Maßnahmen wie Tankrabatt oder steuerfreie Prämie für Beschäftigte würden laut Demary vor allem Menschen mit geringem Einkommen kaum helfen. Vielleicht, so sein Vorschlag, sollte die Politik gezielt Berufspendler entlasten – zum Beispiel über eine größere Pendlerpauschale. Wirtschaftsministerin Reiche bringt das zwar ins Spiel, kassiert aber prompt Kritik aus den eigenen Reihen. Am Ende bleibt das Gefühl: Leichte Lösungen gibt es auch diesmal nicht.
Das IW Köln sieht Deutschland angesichts neuer Konflikte und steigender Energiepreise erneut von höherer Inflation bedroht. Besonders wird eine Verteuerung der Lebenshaltungskosten wegen internationaler Spannungen – speziell am Persischen Golf – und daraus resultierender Anstiege bei Öl und Gas erwartet. Während die EZB nun schwer abwägen muss, ob sie über Zinserhöhungen eingreift (mit Risiko für die ohnehin schlaffe Wirtschaft), betont das IW: Die getroffenen Maßnahmen wie Tankrabatt und steuerfreie Prämien helfen vor allem einkommensschwachen Haushalten zu wenig. Neben klassischen Sorgen wie Pendlerbelastung und Stagnation flammt auch die Debatte um gerechtere Entlastungen für verschiedene Bevölkerungsgruppen wieder auf. Neuere Presseartikel zeigen, dass Entwicklungen im Nahen Osten zu akuten Preissprüngen an Energiemärkten führen und sich das Thema Inflation von politisch gesteuerten Entlastungen bis hin zu Debatten um die EZB-Strategie durchzieht.