Hüther kritisiert, dass die aktuelle Pendlerpauschale im Steuersystem ohnehin nicht gezielt genug wirkt. Sie begünstige vor allem Gutverdienende, da die steuerliche Entlastung davon abhängt, wie hoch die eigenen Einnahmen sind – und viel stärker bei denen greift, die am oberen Ende der Einkommensskala stehen, so seine Argumentation. Während zuletzt die CDU-Politikerin Katherina Reiche eine höhere Pendlerpauschale ins Spiel brachte und SPD-Chef Lars Klingbeil einen Preisdeckel forderte, skizziert Hüther Alternativen: Im Fokus sollten Entlastungen für Menschen mit geringen Einkommen stehen, etwa über pauschale Zahlungen, die an die Steuerpflicht angepasst werden. Erwerbstätige, die Bürgergeld beziehen, könnten durch eine erhöhte Kilometerpauschale gezielter unterstützt werden. Der Wirtschaftsexperte warnt ausdrücklich: Steigende Kosten für importierte fossile Rohstoffe bedeuteten zwangsläufig Einbußen beim Wohlstand. Einen Eingriff in die Preise könne man höchstens dann rechtfertigen, wenn der Preisanstieg nur von sehr kurzer Natur sei – wovon derzeit angesichts beschädigter Infrastruktur im Nahen Osten und anhaltenden logistischen Problemen keine Rede sein könne. Neben diesen nüchternen Überlegungen klingt Hüther fast schon ein wenig resigniert: Maßnahmen, die auf langfristige Stabilität setzen, seien nötig, auch wenn es gerade schwerfällt, angesichts der aktuellen Preisentwicklung einen kühlen Kopf zu bewahren.
Das IW lehnt sowohl einen Spritpreisdeckel als auch eine Erhöhung der Pendlerpauschale ab und spricht sich stattdessen dafür aus, gezielt einkommensschwache Haushalte zu entlasten – beispielsweise mittels Pauschalzahlungen, die nach individueller Steuerlast gestaffelt werden. Laut dem IW-Direktor führen Preisdeckel meist zu einem Rückgang der nötigen Innovationsanstrengungen und sind nur in echten Extremsituationen sinnvoll. Aktuelle Nachrichten (Stand Juni 2024) greifen das Thema vielfach auf: So stehen Spritpreise, Steuerpolitik und die Frage sozial gerechter Entlastungen inmitten der Debatte um eine nachhaltige Energiepolitik und sozialen Ausgleich. Die Energiepreismisere und die Auswirkungen geopolitischer Konflikte – etwa durch Schäden an Raffinerien im Nahen Osten – stehen weiterhin im Fokus politischer Diskussionen. Inzwischen haben IW und andere Institute in Stellungnahmen betont, dass wachsende Unsicherheiten auf dem Weltmarkt vor allem die ärmeren Haushalte stärker belasten und der Staat gezielter agieren muss, statt mit großzügigen, aber wenig zielgerichteten Entlastungen gegenzusteuern.