Das hätte ein netter Abend werden können, aber stattdessen glich das Treffen im Hotel de Rome einer Schonungslosigkeits-Kur für Deutschlands Wirtschaftspolitik. Keine leeren Phrasen. Keine beschönigenden Worthülsen. Laut Schindler, dem Initiator, kreisen CEOs hier seit Jahren um dieselben ungelösten Fragen – mit immer mehr Frust im Gepäck. Der Unterschied an diesem Abend: Es wird nicht bloß gemeckert, sondern gnadenlos auf den Punkt gebracht. Schindlers Einstieg spricht Bände: 'Wir reden, aber wir machen nicht. Genau das kostet uns die Zukunft.' Die Stimmung im Saal? Fast geschlossen zustimmend. Während draußen Merz und Reiche als zentrale politische Figuren zitiert werden, kippt drinnen die Geduld endgültig.
Es wird ein Abend der harten Wahrheiten. Deutschland leidet nicht an Ideenarmut, wohl aber an einer lähmenden Tendenz zum Zerreden und Überprüfen. Die Unternehmer diagnostizieren einen gefährlichen Umsetzungsstau, der das Land ins Hintertreffen bringt – gerade, wenn man nach Übersee blickt. In den USA werden Projekte durchgezogen, während sich hierzulande Prozesse endlos dehnen. Einmal mehr wird beim Thema Neubau gearbeitet, in Deutschland aber vor allem genehmigt – und zwar über Jahre hinweg.
Schon das Beispiel der neuen Verpackungsverordnung treibt so manchem Teilnehmer die Zornesröte ins Gesicht: Vieles, was gut gemeint ist, kommt praktisch nicht aus den Startlöchern, sondern führt zu Unsicherheit, Zusatzkosten und Stillstand. Schindler bringt es hart, aber treffend aufs Tableau: 'Es ist nicht das Ziel der Nachhaltigkeit, das lähmt – es ist die Art, wie es gemacht wird.' Symbolisch ist auch der resignierte Tenor beim 1.000-Euro-Bonus. Niemand fühlt sich entlastet, viele ahnen: Am Ende bezahlt das alles sowieso der Mittelstand, nur eben bürokratischer.
Doch der Abend bietet mehr als Frust. Thomas Mempel, der Chef von Underberg, hält einen flammenden Appell für unternehmerischen Mut: Sein Unternehmen wächst, wo Dynamik und Klartext gefragt sind – etwa in Brasilien oder den USA. Ein Fingerzeig: Dort, wo umgesetzt wird, findet wirtschaftliche Zukunft statt.
Schindler greift den Impuls auf und kündigt die Gründung regional strukturierter Unternehmer-Allianzen an: 'Genug geredet. Wir brauchen Ergebnisse.' Der Abend klingt spät aus, nicht wegen eines Gala-Dinners – sondern weil hier einmal nichts schöngefärbt wurde. Es geht am Ende um die Überzeugung: Die deutsche Wirtschaft glaubt an sich. Doch irgendwann ist Schluss mit Geduld. Jetzt, so der Apell an die Politik, muss geliefert werden.
Zuletzt kocht die Kritik aus der Wirtschaft an der Politik in Berlin wieder hoch: Die Mächtigen der deutschen Unternehmen bemängeln, dass es keinerlei Umsetzungswillen bei zukunftsweisenden Projekten gibt – stattdessen herrscht Katastrophen-Bürokratie. Offenbar brechen sich im Mittelstand Wut und Enttäuschung Bahn, getrieben von verfehlten Regulierungen und lähmendem Klein-Klein – etwa bei ESG-Richtlinien oder neuen Verpackungsverordnungen. Gleichzeitig wird der Abstand zu Ländern wie den USA immer sichtbarer, denn dort zählt Geschwindigkeit statt ermüdender Genehmigungsprozesse. Als Reaktion darauf entstehen nun neue, unabhängige Unternehmens-Kreise, die Ergebnisse und Umsetzung statt weiterer Gespräche einfordern. Laut aktuellen Medienberichten ringt die Bundesregierung angesichts anhaltender Rezession und wachsender Zweifel an der Energiepolitik mit Gegenmaßnahmen – etwa durch neue Wachstumsimpulse oder Bürokratieentlastung, wie jüngst im Bundestag debattiert wurde. In aktuellen Kommentaren auf ZEIT Online https://www.zeit.de und FAZ.net https://www.faz.net wird insbesondere die Handlungsunfähigkeit der Politik benannt, mit Stimmen aus der Wirtschaft, die auf drastische Veränderungen pochen. Derweil zeigt ein aktueller DW-Bericht, dass auch international der Ruf nach mehr Agilität und Reformstärke für den Wirtschaftsstandort Deutschland lauter wird.