Russland lädt deutschen Botschafter erneut ein – Vorwürfe wegen Tschetschenien-Kontakten

Am Montag musste Alexander Graf Lambsdorff, Deutschlands Botschafter in Moskau, erneut beim russischen Außenministerium vorsprechen. Hintergrund? Eine angebliche Unterstützung eines deutschen Politikers für eine tschetschenische Gruppierung – Moskau erhebt schwere Vorwürfe.

heute 12:00 Uhr | 2 mal gelesen

Die Reaktion der Bundesregierung fiel knapp, fast ein wenig genervt aus: Für solche Anschuldigungen fehle jegliche Grundlage, hieß es aus Berlin. Speziell ins Fadenkreuz geriet Roderich Kiesewetter (CDU), weil er, so der russische Vorwurf, kürzlich in Kiew offenbar Kontakt mit einem Vertreter der in Russland unerwünschten "Tschetschenischen Republik Itschkerien" gesucht und deren Aktivitäten sogar unterstützt haben soll. Für das russische Außenministerium dient diese Begegnung als angebliches Indiz dafür, dass Berlin gezielt in russische Angelegenheiten eingreifen wolle – und das, wie gewohnt, mit scharfem Tonfall: Die nationale Sicherheit Russlands sei gefährdet. Interessantes Déjà-vu: Schon im Juni wurde Lambsdorff einbestellt, damals drehte sich alles um angebliche Repressionen gegen russische Medienleute in Deutschland. Auch das hatte die Bundesregierung kategorisch abgelehnt. Es ist bezeichnend, wie schnell in solchen Dialogen mit dem Finger gezeigt – und kaum zugehört wird. Seltsam, wie vorhersehbar diese diplomatischen Hin-und-Hers geworden sind, fast wie schlechte Familiendramen. Was wird als nächstes kommen? Ein gegenseitiges Einbestellen auf Zeit – oder nur ein weiterer Schlagabtausch in dünner Luft?

Wieder einmal brodelt es auf der diplomatischen Bühne zwischen Russland und Deutschland: Diesmal stehen angebliche Kontakte eines deutschen Politikers zu einer in Russland verbotenen tschetschenischen Organisation im Mittelpunkt. Während Moskau dem Berliner Botschafter handfeste Einmischungsabsicht unterstellt, reagiert die deutsche Seite wie gewohnt kühl – mit Verweis auf völlige Haltlosigkeit der Vorwürfe. Die Entwicklung reiht sich ein in eine inzwischen fast ritualisierte Serie gegenseitiger Anschuldigungen und empörter Demarchen, in deren Zentrum ein angespanntes Verhältnis zwischen den beiden Staaten steht. Weitere Recherchen zeigen: Russlands jüngste Maßnahmen gegen westliche Vertreter häufen sich nach Eskalationen in der Ukraine – dabei variieren die Gründe, reichen von politischen Kontakten (siehe Fall Kiesewetter) bis hin zu Medienfreiheit und Menschenrechtsfragen. Die russische Staatsführung macht innenpolitische Stabilität zunehmend von einem außenpolitischen Feindbild abhängig, wobei Botschafter-Einbestellungen zu einem Instrument geworden sind, die eigene Position zu profilieren und außenpolitischen Druck zu erzeugen.

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