Bundeswehrverband zweifelt an Wirksamkeit des neuen Fähigkeitsprofils

André Wüstner, Chef des Bundeswehrverbandes, sieht im von Minister Pistorius vorgestellten Fähigkeitsprofil zwar Fortschritt – doch reichen die Pläne aus seiner Sicht bei weitem nicht aus.

heute 12:59 Uhr | 2 mal gelesen

Es ist zumindest ein Schritt voran: Endlich liegt der Bundeswehr ein Fähigkeitsprofil vor, von dem so lange die Rede war. Aber, so mahnt André Wüstner an, noch warten die Streitkräfte eigentlich auf etwas Entscheidenderes – konkret auf die Zielstruktur, die sich aus den Zusagen gegenüber der NATO ergibt und letztes Jahr offiziell beauftragt wurde. Lange habe man in der Truppe gefragt, wie in den kommenden Jahren Material, Infrastruktur und nicht zuletzt Personal eingeplant und umgesetzt werden sollen. Das sei doch das eigentliche Nadelöhr. Wüstner bringt es gegenüber dem 'Redaktionsnetzwerk Deutschland' auf den Punkt: 'Der SACEuro, also der Oberbefehlshaber der NATO in Europa, braucht Klarheit, welche Militäreinheiten wann bereitzustehen haben. Die Kommandeur*innen müssen wissen, wie sie ihre Bereiche – auch personell – über die Jahre strukturieren sollen. Und das Parlament, das letztlich das Geld bewilligt, will nachvollziehen, für welche Ziele überhaupt investiert wird.' Ehrlich gesagt: So richtig klar kommt das im neuen Fähigkeitsprofil wohl noch nicht rüber. Insofern bleibt bei manchen eher ein Schulterzucken als Euphorie.

Die Vorstellung des neuen Fähigkeitsprofils durch Verteidigungsminister Boris Pistorius hat zwar einen nötigen Rahmen für künftige Bundeswehr-Entwicklung gesetzt, doch der Bundeswehrverband fordert Nachbesserungen. Gerade die genaue Zielstruktur, wie sie aus NATO-Anforderungen folgt, bleibt bislang unscharf – das betrifft konkrete Wünsche zu Ausstattung, Personalaufbau und finanziellen Mittelzuweisungen. Selbst viele Politiker und Fachleute fordern nach der Präsentation, dass nicht allein abstrakte Profile, sondern belastbare und messbare Umsetzungspläne auf den Tisch kommen müssen. Aktuelle Medienberichte zeigen, dass weiterhin große Unsicherheiten bei der Modernisierung und Ausrichtung der Bundeswehr bestehen. Ein zentrales Problem bleibt die Planbarkeit, etwa für Personalentscheidungen und Materialbeschaffung. Auch der politische Druck wächst; nicht nur Wüstner, sondern auch führende Verteidigungsexpert*innen fordern dringend mehr Transparenz und klare Vorgaben – sonst droht das Fähigkeitsprofil zu Stückwerk zu werden, das den realen Anforderungen kaum genügt.

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