Es ist schon bemerkenswert, wie unübersichtlich das Thema Mediennutzung für Eltern heute geworden ist. Prien, selbst Mutter und CDU-Politikerin, bringt das auf den Punkt: Kinder kopieren das, was sie von Erwachsenen sehen – und doch fühlen sich viele Eltern ziemlich verloren, wenn es um den Alltag mit Smartphone, TikTok & Co. geht. Sie sagt: "Wir müssen Eltern nicht bevormunden, sondern ihnen Werkzeuge an die Hand geben." Was zunächst nach einer Floskel klingt, ist ziemlich konkret gemeint. Die Angebote sind zu verquer, zu wenig präsent. Neben den Eltern rückt Prien aber auch die Schulen in den Fokus: Nicht jede Klasse, nicht jeder Lehrer hält Medienbildung für wichtig – so entsteht ein Flickenteppich, in dem Glück oder Pech den Unterschied machen können.
Der Anlass: Die Ergebnisse einer eigens eingesetzten Expertenrunde zum Online-Jugendschutz. Das Papier ist, zugegeben, ein typisches Kommissionsmonstrum – 128 Seiten mit Risiken, aber auch Chancen. Die Zahlen erschrecken: 12- bis 13-Jährige hängen fast drei Stunden täglich am Smartphone, Teenager zum Teil deutlich länger. Zugänge zu sozialen Medien öffnen Welten, manchmal zu viele. Neben den klassischen Gefahren wie Mobbing, Identitätsklau und (leider nicht selten) verstörenden Inhalten gibt es auch Positives: Gerade für queere oder anders marginalisierte Jugendliche werden digitale Räume zur Rettungsinsel. Aber auch gesundheitliche Risiken wie Übergewicht, Schlaflosigkeit oder innere Unruhe nehmen zu. Prien meint: Es geht nicht um ein Entweder-oder – sondern um bewusste, geschützte Teilhabe, auch online.
Übrigens – was man selten erwähnt: Ein Tablet in der Hand eines Vierjährigen ist heute keine Absurdität mehr. Die Zeiten ändern sich eben rasanter, als Richtlinien es manchmal fassen können.
Karin Prien fordert nachdrücklicher als zuvor gezielte, niederschwellige Hilfen für Eltern im Umgang mit der digitalen Welt ihrer Kinder. Die Expertenkommission bestätigt: Digitale Medien bieten sowohl gefährliche Risiken – von psychischer Belastung über Suchtgefahr bis hin zu sozialer Vereinsamung – als auch unverzichtbare Chancen für Teilhabe und Identitätsbildung, besonders für junge Menschen aus Minderheiten. Aktuelle Berichte aus deutschen Leitmedien unterstreichen, dass die Debatte um Medienbildung in den Schulen und den gesetzlichen Rahmen weiter an Fahrt gewinnt: Laut Süddeutscher Zeitung etwa wird die Verantwortung zwischen Elternhaus und Schule immer wieder hin- und hergeschoben (https://www.sueddeutsche.de), während bei spiegel.de jüngst eine größere Initiative für sicherere Kinderschutzmaßnahmen in sozialen Netzwerken diskutiert wird (https://www.spiegel.de). taz.de berichtet am Rande über neue Überlegungen zu regulativen Schritten, die Plattformen stärker in die Pflicht nehmen sollen (https://taz.de). Verstärkt wurde angekündigt, auch Anbieter stärker in die Kontrollpflicht zu nehmen und digitale Bildungsangebote auszubauen. Die Debatte ist also alles andere als abgeschlossen – und reicht inzwischen bis in die Frage, wie gesellschaftlicher Zusammenhalt durch den digitalen Umgang geprägt wird.