Manchmal glaube ich, der egapark kann einen auf eine ganz eigene Zeitreise mitnehmen. Mitten im Rosengarten entdeckt man neben den Klassikern auch Exoten wie die Hiroshimarose oder neue Züchtungen, die eigens zur BUGA 2021 getauft wurden. Der mediterrane Abschnitt – von Säuleneiben eingerahmt, Lavendel zwischendrin – bringt einen Hauch Toskana nach Thüringen. Grauer Schotter knirscht unter den Schuhen, und wenn überhaupt Reisesehnsucht aufkommt, dann am ehesten nach dem nächsten Picknick im Park. Die 6000 Quadratmeter große Blumenrabatte, angeblich die größte floral gestaltete Fläche Europas, ist heuer wild bunt wie eine Zeitreise ins Jahr 1966 – Zinnien, Sonnenhut, Studentenblumen, alles versammelt.
Andere Ecken überraschen: Der neugestaltete Irisgarten schmückt den Südhang mit lebendigen Schwertlilien – insbesondere tragen die Sorten Namen wie "Lebensfreude" oder "Weißes Segel" und sind Dr. Steffen zu verdanken, einem Züchter mit Sammelleidenschaft. Und weil die Irisse nur kurz blühen, wurden sie mit Stauden kombiniert – so bleibt mindestens immer irgendwo im Garten etwas zu entdecken. Man hat fast das Gefühl, dem Rhythmus der Natur ein wenig näher zu kommen.
Historisches gibt’s auch abseits der Beete: Die Open-Air-Jubiläumsschau "Die iga. Ein Park der Moderne" erzählt von Parks, die es nicht mehr gibt, oder skurrilen Ereignissen aus 65 Jahren. 70 Stelen, jede mit einem anderen Kapitel – nicht nur was für Nostalgiker, sondern auch für diejenigen, die einen ganz eigenen Zugang zur ostdeutschen Gartenarchitektur suchen.
Das Beste: Der Park ist fast überall barrierefrei. Wer nicht so gut zu Fuß ist, leiht sich Rollstuhl oder Scooter oder lässt sich mit dem Parkzug durch das 36 Hektar große Gelände chauffieren. Eigentlich könnte man das sogar machen, wenn man gar keine Einschränkung hat – einfach, weil man mehr sieht. Irgendwie ist das alles ziemlich typisch egapark: ein bisschen retro, ziemlich bunt und einladend offen.
Der egapark Erfurt zelebriert mit opulenter Blumenpracht und einer Rückschau auf seine (und die DDR-) Geschichte ein rundes Jubiläum. Neben der Rosenblüte und dem neugestalteten Irisgarten steht auch das größte ornamental bepflanzte Beet Europas im Fokus, das dieses Jahr kräftig im Stil der 1960er daherkommt. Die große Freiluftaustellung mit 70 Stelen macht Zeitgeschichte erfahrbar und hebt den Park als Ort barrierefreier Erlebnisse hervor.
Laut aktuellen Medienberichten wurde zur Feier des Jubiläums auch das Thema Nachhaltigkeit betont, etwa durch den Ausbau trockenheitsresistenter Pflanzungen und neuer Methoden zur schonenden Bewässerung. Der egapark setzt zudem verstärkt auf Bildungsangebote zu heimischer Flora und Insektenvielfalt, die besonders Schulkinder und Familien ansprechen sollen. Medien bestätigen außerdem eine gestiegene Besucherresonanz infolge des blühenden Jubiläums und die Wahrnehmung des Parks als wichtiges kulturelles Bindeglied zwischen Gegenwart und der (oft unterschätzten) grünen Geschichte Ostdeutschlands.