Immunabwehr im Fokus: Neue Wege gegen fehlgeleitete Entzündungen bei Sanofi

Frankfurt/Main – Überall auf der Welt ringen Millionen Menschen mit Autoimmunerkrankungen – zäh, chronisch und selten einfach therapierbar. Gerade weil viele bestehende Medikamente nicht für alle funktionieren, widmet sich Vladimir Litvak gemeinsam mit seinem Team einer spannenden Frage: Wie können wir das komplexe Netz des Immunsystems knacken, um wirkungsvollere Behandlungen auf den Weg zu bringen?

heute 13:32 Uhr | 4 mal gelesen

„Das Immunsystem – manchmal fühlt es sich an, als würde man auf ein wildes Orchester lauschen, das sich nie ganz festlegen will“, schildert Vladimir Litvak, der den Bereich Immunology & Inflammation am Frankfurter BioCampus von Sanofi verantwortet. Mit einer Mischung aus Forscherdrang und hartnäckiger Geduld spüren Litvak und seine Kolleg*innen den schiefen Tönen nach, die zu chronischen Entzündungserkrankungen führen. Dabei verlässt man sich nicht mehr allein auf Petrischalen-Experimente – digitale Hochleistungsanalysen sind inzwischen fester Bestandteil. So werden bei Sanofi experimentelle Immunologie und computergestützte Methoden wie zwei Seiten eines komplizierten Puzzles zusammengefügt: Da entstehen In-vitro-Modelle von Krankheiten, Genomdaten türmen sich, „Multi-Omics“ kommt ins Spiel. Aus dieser Datenfülle destillieren die Forscher Muster, Knotenpunkte, manchmal auch Sackgassen – immer auf der Suche nach dem Hebel, mit dem man fehlgeleitete Immunreaktionen zurück ins Lot bringen könnte. Litvak, der dabei auf jahrelange Erfahrung aus den USA und früheren Stationen in Seattle zurückgreift, lotet mit seinem Team das Wechselspiel von Immunzellen, Signalwegen und molekularen Mechanismen aus. Was macht bestimmte Immunzellen plötzlich zu Querschlägern? Wo verlaufen die entscheidenden Weichenstellungen zwischen Schutz und Angriff auf den eigenen Körper? Solche Fragen, sagt er, seien eigentlich nie banal – und selbst Experten geraten da manchmal ins Grübeln. Die Verwobenheit aus Laborarbeit und Computeranalyse hat sich für ihn jedenfalls eindeutig bewährt. Die Integration verschiedenster Datenebenen – von der Genaktivität bis zu Eiweißmustern – führt nicht nur zu neuen Kandidaten für Biologika, sondern hilft auch, Patientengruppen besser abzugrenzen, für die bestimmte Therapien funktionieren könnten. „Ich bin überzeugt: Die Zukunft gehört solchen Schnittstellen – erst recht, wenn wir Krankheiten ernsthaft individualisiert behandeln wollen“, resümiert Litvak. Und manchmal hilft eine Prise Zuversicht: „Es mag zwar klingen, als würden wir ständig gegen Windmühlen kämpfen, aber jeder kleine Durchbruch bringt Hoffnung für Betroffene und rückt passgenauere Behandlungen in Reichweite.“

Vladimir Litvak und sein Team am Frankfurter BioCampus von Sanofi untersuchen mit systemimmunologischen Methoden, wie fehlgesteuerte Immunantworten bei Autoimmunerkrankungen entstehen und wie man sie gezielt beeinflussen kann. Dabei kombinieren die Forschenden klassische Labor-Versuche mit komplexen Computeranalysen, um molekulare Krankheitsursachen und potenzielle Therapieziele zu entschlüsseln. Neueste Entwicklungen zeigen, dass diese persönlichen, datenorientierten Ansätze sowohl das Verständnis für immunologische Erkrankungen vertiefen als auch die Entwicklung neuer, individualisierter Medikamente beschleunigen – in Deutschland werden aktuell etwa personalisierte Ansätze gegen entzündliche Darmerkrankungen, Lupus und Psoriasis zunehmend erprobt (vgl. aktuelle Berichte beispielsweise bei der SZ und FAZ). Zudem erhält die Systemimmunologie durch Künstliche Intelligenz und Big Data einen Innovationsschub; wie etwa jüngst berichtet, werden neue KI-basierte Diagnosetools und Medikamente für seltene Autoimmunleiden entwickelt. Auch ethische Fragen – etwa zur Datenverarbeitung und Therapie-Zugang – werden aktuell immer präsenter diskutiert.

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