Westnetz geht neuen Weg: Intelligente Batteriespeicher sorgen für mehr Netzstabilität

Technischer Fortschritt in Föhren: Mit einer bislang einzigartigen Steuerung testet Westnetz, wie Batteriespeicher künftig unser Stromnetz stabiler und sicherer machen könnten.

heute 14:37 Uhr | 4 mal gelesen

Mitten im rheinland-pfälzischen Föhren hat Westnetz kürzlich ein Experiment gestartet, das (zumindest für Nerds wie mich) beinahe Science-Fiction-Charakter hat: Ein Großbatteriespeicher wurde so intelligent vernetzt, dass er bei Schwankungen im Stromnetz nicht nur „puffert“, sondern regelnd eingreift. Im Rahmen des Projekts SUREVIVE soll der Speicher aktiv zur Netzstabilisierung beitragen — also eine Aufgabe übernehmen, für die früher eigentlich nur die riesigen, regelwütigen Kraftwerke zuständig waren. Ingo Liere-Netheler, der sich bei Westnetz mit digitalen Lösungen beschäftigt, zeigt sich zufrieden: Der praktische Test habe die Erwartungen erfüllt, die Anlage habe in einer Art netzbildendem Modus „wie aus dem Lehrbuch“ reagiert. Es ist schon erstaunlich, dass der typische Werdenfels’ Hausstrom (z. B. wenn gerade mal keiner den Föhn laufen lässt) heute von klugen Algorithmen in Akkukästen orchestriert werden kann. Das Besondere am SUREVIVE-Ansatz ist, dass der Speicher weit mehr leistet, als nur Strom zwischenzuspeichern. Er übernimmt quasi Verantwortung: Wenn plötzlich viel Wind- oder Solarstrom ins System kommt, fängt er die Überkapazität ab; umgekehrt hält er die Spannung und – ganz wichtig – die Frequenz stabil, selbst wenn das Netz durch Unwägbarkeiten schwankt. Außerdem lernen die Macher so direkt in der Praxis, wie steuerbare Speicher zum Fundament eines sicheren Stromsystems werden können, in dem immer mehr kleine dezentrale Energiequellen das Sagen haben. Momentan war der Testlauf noch sehr „clean“, d.h. ohne andere Stromerzeuger oder Verbraucher, aber der Plan ist, bald auch umliegende Solaranlagen einzubinden und genau hinzusehen, wie sie mit dem neuen System zusammenspielen. Übrigens: Rein rechnerisch - hier kommt wieder eine dieser Zahlenspielereien, die ich liebe - reicht die 55 Megawattstunden Batterie, um einen Tag lang Strom für 5500 Zwei-Personen-Haushalte zu liefern. Das zeigt, dass die Energiezukunft durchaus greifbar geworden ist. Unterstützt wird das Projekt von Forschungspartnern wie dem Fraunhofer ISE und der Uni Stuttgart. Förderung gibt es übrigens auch — vom Wirtschaftsministerium. Für die Stromkundschaft vor Ort bedeutet das alles eines: Die Chance, auch in einem Netz mit viel Sonnen- und Windkraft sicher versorgt zu bleiben, steigt. Und das macht (finde ich) Mut – trotz Energiewendetrubel und all den Unwägbarkeiten auf dem Weg.

Westnetz hat in Föhren einen Großbatteriespeicher erstmals so getestet, dass er nicht nur als Puffer agiert, sondern selbstständig zur Netzstabilisierung beiträgt – und damit Aufgaben klassischer Kraftwerke übernimmt. In dem vom Bundesministerium für Wirtschaft geförderten Projekt SUREVIVE kommt eine besonders intelligente Regel- und Steuertechnik zum Einsatz, die Frequenz und Spannung stabilisiert. Wissenschaftliche Begleitung und Kooperation mit Partnern wie dem Fraunhofer ISE zeigen, dass solche Speicher künftig eine Schlüsselrolle für Versorgungssicherheit bei wachsendem Anteil erneuerbarer Energien spielen dürften. Aktuelle Entwicklungen und weiterführende Details: Am 13. Juni 2024 berichtete die Süddeutsche Zeitung über die Bedeutung dezentraler Batteriespeicher mit Blick auf die starke Zunahme von Photovoltaik-Anlagen. Der Artikel hebt hervor, dass der koordinierte Einsatz smarter Speichersysteme künftig Engpässe reduzieren und den Netzausbau verzögern kann. Daneben wird aber auch kritisch angemerkt, dass regulatorische Hürden und Standardisierungsfragen noch ungelöst seien. Die Zeit berichtet, ebenfalls am 13. Juni 2024, über technologische Fortschritte bei netzbildenden Umrichtern; gerade in Regionen mit vielen dezentralen Einspeisern könnten dadurch Stromausfälle verhindert werden. Außerdem beleuchtet der Beitrag die gesellschaftlichen Erwartungen an die Versorgungszuverlässigkeit und regt einen breiteren Diskurs über Schnittstellen zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Regulierung an. Auf DW.com erschien diese Woche zudem eine Analyse, in der Risiken und Chancen der Speicherinfrastruktur im Kontext des zunehmenden Ukraine-Kriegs diskutiert werden. Neben dem Sicherheitsaspekt beschreibt der Autor, wie innovative Steuerungskonzepte wie bei SUREVIVE europaweit zunehmend Aufmerksamkeit bekommen – insbesondere, weil sie flexibler auf Versorgungslücken reagieren als konventionelle Systeme.

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