Wer von außen auf die Zuckerbranche blickt, würde vermutlich kaum vermuten, wie viel Bewegung dort aktuell herrscht. Doch gerade bei Suomen Sokeri Oy, dem finnischen Ableger von Nordzucker, steht nun – nach zähen Gesprächen seit März – der Entschluss fest: In der Raffinerie im Küstenort Porkkala wird künftig kein Rohzucker mehr verarbeitet, bestimmte Produktlinien wie Würfel-, Puder- oder Hagelzucker wandern ab, werden künftig woanders hergestellt. Interessant: Für den Zuckerrübenanbau in Finnland ändert sich dadurch erstmal nichts und auch die langjährigen Verträge mit den Bauern bleiben erhalten – auch so eine Entscheidung zwischen Pragmatismus und Tradition.
Weniger bekannt: Hinter diesen Schritten stehen nicht nur wirtschaftliche Überlegungen. Die Lage am internationalen Zuckermarkt ist seit Jahren volatil. Immer wieder tauchen neue Mitspieler und Billiganbieter auf, die die Konkurrenz anstacheln. Dass 26 Jobs verschwinden, geht an niemandem spurlos vorüber. Diese Jobs werden nach und nach bis 2026 gestrichen – eine Entscheidung, die Betroffene vermutlich schlaflose Nächte kostet.
Das Werk im Küstenort Porkkala bleibt nicht völlig ausgehöhlt, sondern konzentriert sich stärker auf Flüssigzucker, Melasse, Sirupe und logistische Dienstleistungen – die Betriebsamkeit in gewissen Bereichen bleibt also. Daneben prüft die Führung von Suomen Sokeri Oy, ob ein anderer Standort – konkret Säkylä – künftig die Rohzuckerraffination übernimmt. Und irgendwie fühlt sich das alles ein bisschen wie ein Puzzlespiel an: Stück für Stück wird versucht, den Betrieb in die richtige Richtung umzubauen, ohne das große Ganze aus dem Blick zu verlieren.
Nordzucker verfolgt parallel eine Strategie namens "Fields for Growth". Klingt fast schon ein bisschen poetisch, ist aber alles andere als romantisch: Es geht um Wirtschaftlichkeit, um Nachhaltigkeit, aber auch um Expansion jenseits europäischer Grenzen. Bis 2050 will Nordzucker klimaneutral produzieren – ein großes Versprechen. Auf dem Weg dahin wird immer wieder justiert, verschoben, manchmal auch gestrichen. Mit rund 4.100 Leuten an 19 Standorten ist die Nordzucker-Welt ohnehin alles andere als überschaubar. Die anstehenden Schritte bei Suomen Sokeri Oy zeigen: Um im globalen Wettbewerb mitzuspielen, braucht es nicht nur zähe Verhandlungen, sondern manchmal auch unbequeme Schnitte.
Die Produktionsumstellung bei Suomen Sokeri Oy ist Teil einer breiteren Konsolidierungsstrategie im europäischen Zuckermarkt, der von Überkapazitäten, schwankenden Weltmarktpreisen und steigendem Wettbewerbsdruck geprägt ist. Auch in anderen Ländern, etwa Deutschland oder Frankreich, greifen Zuckerproduzenten zu ähnlichen Anpassungen – häufig mit Arbeitsplatzabbau oder Umstrukturierungen als Folge. Bemerkenswert ist das klare Bekenntnis von Nordzucker zur Nachhaltigkeit: Das Unternehmen plant umfassende Investitionen, will energieeffizienter werden und arbeitet an einer möglichst CO2-neutralen Lieferkette. Zuletzt berichteten Branchenmedien außerdem, dass auch höhere Energiepreise und strengere Klimavorgaben viele Unternehmen in der EU zum Umdenken zwingen. Parallel dazu beobachten Experten, dass der globale Zuckermarkt durch Ernteausfälle in Südamerika und Asien immer unsicherer geworden ist. Die aktuelle Entscheidung von Suomen Sokeri Oy reiht sich also in einen umfassenden Wandel der europäischen Zuckerindustrie ein. Weitere Details: Nach neuen Medienberichten werden im Zuge der Nordzucker-Sparmaßnahmen Investitionen in moderne Technologie forciert, etwa zur verbesserten Rückgewinnung von Nebenprodukten. Außerdem beziehen sich Befürchtungen aus den Gewerkschaften vor allem auf die Zukunft der ländlichen Regionen, deren Wirtschaft eng an die Zuckerproduktion gekoppelt ist.