Handwerkspräsident fürchtet stärkere Steuerlast für Leistungsträger

Jörg Dittrich, Präsident des deutschen Handwerks, sieht durch die geplante Steuerreform vor allem Gutverdiener und Personenunternehmen belastet.

heute 02:59 Uhr | 1 mal gelesen

So läuft das nun mal bei vielen Handwerksbetrieben: Die Unternehmenssteuern sind direkt mit der Einkommensteuer der Inhaber verknüpft. Jörg Dittrich, der Chef des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, schildert im Gespräch mit der "Bild am Sonntag": Wer als Einzelunternehmer, als Vorarbeiter oder Fachkraft im Handwerk sechsstellige Summen verdient, steht oft mit beiden Füßen in der Steuerfalle. Während große Kapitalgesellschaften über neue Entlastungen bei der Körperschaftsteuer verhandeln, schauen Dreiviertel der kleinen Handwerksfirmen in die Röhre – das kann einen fast zornig machen. "Die hängen einfach im Regen und sollen noch mehr abdrücken – schlechter könnten die Voraussetzungen kaum sein." Dittrich fordert ein Umdenken: Die Politik müsse endlich belohnen, wer sich reinhängt und Verantwortung übernimmt. Immer wieder höre er, dass Zuverdienst sich schlicht nicht lohne. "Wenn ich mich abends nochmal ranhänge und Überstunden mache, bleibt davon am Ende kaum etwas übrig." Gerade Unternehmer und Leistungsträger, die investieren sollen, bräuchten den Impuls, dass sich Arbeit auszahlt. "Wenn denen der finanzielle Spielraum genommen wird, können sie kaum noch investieren – das schadet am Ende uns allen." Mit Blick auf Renten- und Sozialversicherungssysteme sieht Dittrich akuten Reformbedarf: Arbeit werde in Deutschland viel zu hoch besteuert und mit Abgaben belastet. Die Folge: Viele Leistungen würden aus Kostengründen ganz unterbleiben – und dann fehlen auch die Sozialabgaben, mit denen das System gestützt wird. "Wenn das so weitergeht, laufen wir voll auf eine Negativspirale zu." Auch bei der Arbeitszeit plädiert Dittrich für Experimente: "Der Acht-Stunden-Tag ist für viele Gewerkschafter heilig, das verstehe ich. Aber vielfach wollen Beschäftigte es flexibler: Mal mehr arbeiten, dafür später ausgleichen. Ich finde, wir sollten das zumindest ausprobieren dürfen. Natürlich muss man aufpassen, dass das nicht missbraucht wird. Aber der Stillstand hilft gerade der Wirtschaft am wenigsten."

Jörg Dittrich, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, warnt eindringlich, dass die beabsichtigte Steuerreform gerade auf Personenunternehmen wie Handwerksbetriebe abziele und sie damit härter treffen dürfe als größere Kapitalgesellschaften. Laut Dittrich verlangen viele Mittelständler und Fachkräfte seit langem stärkere Leistungsanreize durch die Steuerpolitik: Wer mehr arbeitet, sollte am Ende auch mehr davon haben, statt durch hohe Steuern frustriert zu werden. Im aktuellen Umfeld, in dem sich wirtschaftlich wenig Bewegung zeigt, fordert Dittrich zudem mutigere strukturelle Reformen im Sozialwesen sowie mehr Flexibilität bei der Arbeitszeit – sonst drohe gerade kleinen und mittleren Unternehmen eine Abwärtsspirale. Neue Entwicklungen aus aktuellen Medien: Diverse Stimmen aus Wirtschaft und Politik nehmen Dittrichs Kritik auf und verweisen just in die gleiche Richtung: Die bevorstehenden Verhandlungen zur Steuerreform spalten die Koalition – während Finanzminister Lindner (FDP) Entlastungen für Unternehmen fordert, spricht sich Grünen-Politikerin Lisa Paus für eine stärkere Besteuerung von „Spitzenverdienern“ aus. Außerdem ist infolge der Energiewende zu beobachten, dass viele Handwerksbetriebe durch hohe Strompreise und bürokratische Lasten zunehmend unter Druck geraten; das Thema „Fachkräftemangel“ rückt parallel immer stärker in den Fokus. Branchenverbände warnen, dass bei ausbleibendem politischen Kurswechsel die Wettbewerbsfähigkeit des gesamten Mittelstands gefährdet ist.

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