Bundesnetzagentur setzt beim Gas auf Gelassenheit: Speicher müssen nicht sofort voll sein

Die Debatte um angeblich zu leere Gasspeicher in Deutschland hält an – die Bundesnetzagentur bleibt jedoch ruhig.

heute 00:16 Uhr | 3 mal gelesen

Mal ehrlich – die Vorstellung, die Gasspeicher sollten schon jetzt (Mitte Mai!) randvoll sein, kann ich emotional durchaus nachvollziehen. Wer kann es einem verdenken, nach all den energetischen Achterbahnfahrten und winterlichen Unsicherheiten der letzten Jahre? Doch laut Klaus Müller, Chef der Bundesnetzagentur, ist diese Hektik weder aus ökonomischer noch aus physikalischer Sicht angebracht – so sagte er es dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Müller stellt klar: Wir haben in Deutschland inzwischen vier Flüssiggasterminals an Nord- und Ostsee, die im letzten Winter einen großen Anteil an der Versorgungssicherheit hatten. Klar, Gasspeicher bleiben ein zentraler Baustein – aber das absolute Fixiertsein auf deren Füllstände sei seit 2022, 2023 nicht mehr nötig. Spannend am Rande: In den letzten zwei Wochen wurde bereits ein Plus von drei Prozentpunkten eingespeichert – zu einem Zeitpunkt, den man durchaus als früh bezeichnen kann. Müller betont, dass die Kavernenspeicher, diese riesigen unterirdischen Behälter, im Prinzip binnen eines Monats gefüllt werden könnten, wenn’s drauf ankommt. Natürlich schiebt er auch ein bisschen Verantwortung Richtung Gashändler: Die müssen schon mitziehen – aber Panikmache bringt jetzt nichts. Manchmal, so scheint’s, ist weniger Eile tatsächlich mehr.

Die Diskussion um den aktuellen Stand der Gasspeicher in Deutschland entzündet sich immer wieder, vor allem mit Blick auf die Versorgungssicherheit für kommenden Winter. Zwar ist das Speichern von Gas nach wie vor von zentraler Bedeutung – insbesondere für den industriellen Sektor und für Privathaushalte –, aber die aktuelle Infrastruktur (inklusive neuer LNG-Terminals) erlaubt es, gelassener zu bleiben. Neuere Medienberichte zeigen, dass die Speicherfüllstände mit knapp 70 Prozent im Mai 2024 dem Median der letzten Jahre entsprechen und Experten keine akute Bedrohung fürchten; auch das Bundeswirtschaftsministerium nimmt die Sorge aus der Bevölkerung ernst, sieht aber aufgrund veränderter Rahmenbedingungen keinen Anlass zu Aktionismus. Recherchen: - Nach neuesten Zahlen des Verbandes der europäischen Gasinfrastrukturbetreiber (GIE) lagen die Speicherfüllstände in Deutschland Mitte Mai bei rund 69 %, was im internationalen Vergleich sehr hoch ist. Die milden Temperaturen und die hohe Einspeisefähigkeit durch LNG-Terminals entlasten die Situation. - Die Bundesregierung hat neue Regelungen für Mindestfüllstände eingeführt, die zumindest breite Grundsicherheit verschaffen und die Gasspeicher-Betreiber in die Pflicht nehmen. - Diskussionen in der Energiebranche kreisen darum, dass das relativ niedrige Gashandels-Preisniveau aktuell für zusätzliche Käufe genutzt werden kann, um entspannter in die spätere Füllsaison zu starten.

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