Volkswagen schärft den Rotstift – Werke in Emden, Zwickau, Hannover im Visier

Die Ressourcenknappheit und Überkapazitäten setzen Volkswagen in Deutschland weiter unter Druck. Interne Unterlagen deuten auf tiefe Einschnitte an mehreren traditionsreichen Standorten hin.

heute 10:22 Uhr | 5 mal gelesen

Inmitten des Umbruchs der Autobranche tauchen immer wieder düstere Wolken über dem VW-Konzern auf. Diesmal geht es konkret um die Standorte Emden, Zwickau, Hannover und das Audi-Werk Neckarsulm. Was auffällt: Während VW jährlich um die neun Millionen Fahrzeuge verkauft, ist das Produktionsnetz für deutlich mehr ausgelegt – irgendwo zwischen Übermut vergangener Wachstumsjahre und eifrigem „Falls-noch-einer-mehr-kommt“-Denken. Nun wird gesprochen, dass etwa eine Million Autos Kapazität zu viel im System herumgeistert. Was das bedeutet? Stillstand von teuren Maschinen, hohe Fixkosten, unsichere Belegschaften.
Was jetzt auf dem Tisch liegt, ist mehr als bloßes Zahlenjonglieren: Gemeinsam mit der Beratung BCG schraubt Konzernchef Oliver Blume am Zielbild 2030, Rendite soll rauf auf acht bis zehn Prozent – und das offenbar um jeden Preis. Im Gespräch sind nicht nur Einschnitte bei Fahrzeugmodellen und -plattformen, sondern knallharte Kostenprüfungen ganzer Werke. Verlagerungen ins Ausland stehen zur Debatte, eventuell auch neue Nutzungskonzepte, Kooperationen oder – das traut sich kaum einer laut zu sagen – ein schleichender Abschied von alten Standorten. Blume gibt sich kryptisch: 'Es gibt intelligentere Methoden als die Schließung von Werken.' Klingt wie Hoffnung, ist aber eher eine betriebswirtschaftliche Drohung.
Die politische Komponente ist heikler geworden. Der niedersächsische Ministerpräsident (und Aufsichtsrat) Olaf Lies meldete sich unlängst mit einem Vorschlag zu Wort: Chinesische Investoren könnten eventuell als neuer Betreiber beispielsweise für einzelne Standorte gewonnen werden. Ob das im Sinne der Beschäftigten oder der deutschen Industrielandschaft wäre? Über diese Frage könnte man vermutlich Nächte durchdiskutieren – ob in der Werkhalle oder am heimischen Küchentisch.

Volkswagen steht derzeit unter massivem Konsolidierungsdruck. Angesichts zu hoher Produktionskapazitäten plant der Konzern einschneidende Effizienzmaßnahmen, die vor allem die Standorte Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm betreffen. Die Diskussion dreht sich um den möglichen Wegfall von Arbeitsplätzen, strategische Produktionsverlagerungen und eine weitere Öffnung für ausländische Investoren, besonders aus China. In den letzten Tagen haben Branchenbeobachter zugleich auf die schleppende Entwicklung im E-Auto-Geschäft und den Wettbewerb durch chinesische Hersteller hingewiesen, was den Veränderungsdruck bei VW zusätzlich erhöht. Zuletzt ließ Blume allerdings verlauten, dass neue Technologien, flexiblere Fertigungsmodelle und Partnerschaften die Schließung von Werken zumindest teilweise vermeiden könnten. Interessant ist dabei, dass politisch auch die Frage aufkommt, inwiefern Chinas Einfluss auf den Industriestandort Deutschland wachsen könnte.

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